18. Februar 2007

Im Blickpunkt: Mein Wohnverhalten

Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von sagen wir mal 80 Jahren habe ich bereits 45% meines Lebens gelebt. Uiuiui. (Mit der richtigen Formel, nämlich W = p geteilt durch 100 mal G, kann man sich übrigens leicht meine Echtzeitalter ausrechnen.) Für diese bereits gelebten 45% meines Lebens habe ich erstaunlich wenig Gegenstände von bleibendem Wert erworben. So habe ich beispielsweise in meinem ganzen bisherigen Leben gerade mal zehn Möbelstücke gekauft. Zwei Korbsessel und eine Kommode, drei Küchenstühle aus dem Trödelladen und vier Billy-Regale von Ikea. Die Korbsessel und die Kommode habe ich als Jugendliche gekauft und ziemlich bald darauf aufgrund akuter Geldnot an meine Mutter weitergegeben. Den Rest meines Mobiliars habe ich irgendwo gefunden, geschenkt bekommen, geerbt oder das Zeug war irgendwie schon da. Das Gute daran ist: Ich wohne - bis auf die Billyregale - in einer ikeafreien Wohnung. Billyregale sind sowieso das einzige, was man bei Ikea kaufen darf/muss. Meine These: Leute ohne Auto haben bezüglich ihres Wohnungseinrichtungsstyles meist die Nase vorn, denn ohne Auto ist die Gefahr gering, dass man doch irgendwann zu Ikea fährt. Ich mag eh Abgegriffenes und Gebrauchtes. In diesem Punkt bin ich übrigens auf einer Linie mit Wolfgang Joop, der, wie ich in einem Arte-Feature über Wolfgang Joop erfahren habe, Abgegriffenes und Gebrauchtes gut findet. Wenn ich in eine neue Wohnung ziehe, dann nehme ich auch immer die bereits in den Wänden vorhandenen alten Löcher anstatt neue zu bohren. Ich kann nämlich nicht mit der Bohrmaschine umgehen. Ich weiß, dass es total out ist, damit zu kokettieren, man könne nicht mit der Bohrmaschine umgehen, denn heutzutage gehört das zum Bildungskanon, weiß ich, aber ich kokettiere nicht, es ist die Wahrheit. Und außerdem habe ich den durchschnittlichen Bildungssoll sowieso übererfüllt. Ich habe auch keine Lust zu lernen, wie man mit der Bohrmaschine bohrt, denn ich benutze ja die bereits vorhandenen Löcher und zwar, indem ich das Loch mit Gips auffülle, einen Nagel hineindrücke und das Ganze trocknen lasse.

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1 Kommentare:

Anonymous Kosta

Es ist nicht nur keine KOKETTERIE, nicht lernen zu wollen, mit einer Bohrmaschine umzugehen; es ist schlichtweg lebensgefährlich. In meiner Wohnung gibt es ungefähr 28 von mir gebohrte Löcher in den verdammten Rigips- oder Sandsteinwänden, und nachdem ich da nirgendwo Dübel, geschweige denn Bretter installieren konnte, habe ich in die einzige, mir fest und optimal bohrfähig erscheinende Wand gebohrt - und beinahe wäre ich über'n Jordan gegangen, da auf der anderen Seite der Sicherungskasten angebracht war.
Und zu IKEA habe ich zu sagen, dass heutzutage die IKEA-Affinität schon den Kindern mit der Muttermilch eingeflößt wird. Mein eines Patenkind, 3 Jahre, will immerzu zu IKEA, niemand weiß genau warum. Es ist für das Kind das Allergrößte, zu IKEA zu fahren. Und mein anderes Patenkind wird extra dahin geschifft, als nachmittägliche Bespaßung. So ist das heutzutage. Und dann steht später nämlich nicht nur ein einsames Billy-Regal im Wohnzimmer.

23. Februar 2007 um 18:47  

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