3. April 2016

Was ich in der KW 13 getragen habe

MONTAG
Hat nicht Niklas Luhmann gesagt, Authentizität sei nicht kommunizierbar? Oder so ähnlich? Oder war das Habermas? Ich jedenfalls photoshopiere in mein Outfitfoto vom Ostermontag gleich mal ein anderes Foto aus einem anderen Zusammenhang aber mit derselben Bluse rein. Und wenn ich ehrlich bin, war das auch nicht mein Ostermontags-, sondern mein Ostersonntagsoutfit. Aber ist ja egal, Authentizität lässt sich eh nicht kommunizieren!


Die Carven-Bluse stammt aus dem Voo Store, einem Hipster-Laden auf der Oranienstraße in Kreuzberg, der seinen Ruhm über Instagram erlangt hat (#voostore). In Wirklichkeit ist der Voo Store natürlich ein ganz normaler Laden mit einer nicht ganz günstigen und in bestimmten Kreisen derzeit sehr angesagten Kleiderauswahl.

DIENSTAG
Laut Anzeige auf meinem Rechner wurden diese Fotos am Dienstag, den 29.03.2016 um 7:48 Uhr aufgenommen. Kurz darauf, nämlich um 8:00 Uhr, habe ich am U-Bahnhof Leinestraße meinen Fahrschein entwertet (Beweis anbei). Authentizität pur! Liegt Luhmann doch falsch?


Der hellblau-rot-gestreifte Rock ist von Max & Co.

MITTWOCH
Es ist Ende März, es herrscht Aprilwetter. Eine Tatsche, der ich auf zweierlei Art Tribut zolle: Erstens, indem ich meinen Sonia-by-Sonia-Rykiel-Regenbogenpulli trage, zweitens, indem ich mich auf meine Layering-Skills besinne.


So funktioniert Layering!
Abbildung 1) Pulli
Abbildung 2) Pulli + Blazer
Abbildung 3) Pulli + Blazer + Jacke

DONNERSTAG
Achtung, hier trügt der Schein! Ich gehe nicht etwa zu meiner eigenen Konfirmation, sondern in ein Büro – das kommt dabei heraus, wenn man sich an seine selbstauferlegten fashion commitments hält, siehe HIER, zweites Gebot: Du sollst Deine schönen Klamotten nicht für spezielle Gelegenheiten aufheben.


Die dunkelblaue Nadelstreifen-Culotte stammt von & Other Stories, die Bluse ist von Cacharel und die Schuhe sind von Marni.

FREITAG
Auch ich schwimme natürlich auf dem Gucci-Hype mit, und zwar in einer von meiner Mutter geerbten, ungefähr aus dem Jahre 1978 stammenden Schluppenbluse.


Die Hose ist von Jil Sander Navy, die Turnschuhe stammen von Givenchy.

SAMSTAG
Saturday = Caturday! Caturday bedeutet, dass alle Hauskatzen weltweit nicht nur Rechte, sondern ausnahmsweise auch mal Pflichten haben und mit aufs Bild müssen, ob sie wollen oder nicht. Außerdem arbeite ich am Samstag immer daran, später mal eine crazy old cat lady zu werden.


Aber bitte behaltet immer das Luhmann’sche Diktum im Hinterkopf: Authentizität lässt sich nicht kommunizieren! Das sieht auf dem Foto nur so aus, also ob ich vier Katzen und nicht mehr alle Latten am Zaun hätte! Moderne Technik macht’s möglich – in Wirklichkeit habe ich nur eine Katze und bin trotz Herzchenpulli von Anthony & Alison mega seriös und vollkommen zurechnungsfähig.

SONNTAG
Solange sonntags Kaffee und Kuchen auf den Tisch kommen, ist bekanntlich die Welt noch in Ordnung! Noch besser, wenn man den Kuchen nicht selbst backen muss, sondern zu einer Geburtstagstafel eingeladen ist. Zum Thema Kaffee und Kuchen hat sich Luhmann leider nicht geäußert, ich kann Euch aber verraten, dass ich in wenigen Minuten in genau dem unten abgebildeten Sonia-by-Sonia-Rykiel-Ringelpulli das ein oder andere Stückchen Kuchen verspeisen werde.


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25. März 2016

Stoffmuster

Erstaunlich, wie bereitwillig die Leute früher der Presse Auskunft gegeben haben! Man musste nur sagen „Ich bin von der Washington Post“ und schon haben die Leute geredet – oder derart ungeschickt gelogen, dass sofort klar war, man hat mit den investigativen Fragen ins Schwarze getroffen.


So zumindest wird es in dem Film „All the President’s Men“ dargestellt, in dem es natürlich nur vordergründig um die Watergate-Affäre geht. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Film mit Dustin Hoffman und Robert Redford, der auf Deutsch „Die Unbestechlichen“ heißt, um einen astreinen Investigativjournalismusästhetikverherrlichungsstreifen.

„Das ist aber eine ziemlich starke Behauptung!“, werdet ihr jetzt wahrscheinlich sagen, „Hast Du dafür überhaupt Beweise?“ Klar, habe ich!

Beweis 1: Ständig wird auf Stiften herumgekaut


Beweis 2: Völlig unpraktische kleine Blöcke werden mit unleserlichen Informationen vollgekritzelt


Beweis 3: Es wird lässig in den Redaktionsräumlichkeiten herumgesessen


Toller Film also, der mir darüber hinaus bei dem schwierigen Entscheidungsfindungsprozess „Neuer Bezug für einen alten Sessel“ weitergeholfen hat. Ich weiß jetzt immerhin, dass es ein heller Stoff mit einem floralen Muster sein soll:


Irgendwelche Whistleblower unter meinen Leserinnen und Lesern, die mir sagen können, wo es besonders schöne Möbelstoffe gibt?

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28. Februar 2016

Fünf Gründe für englische Wachsjacken. Eine Liebeserklärung

1. Verwirrung. Englische Wachsjacken, besser bekannt als Barbour-Jacken, gelten als Uniform englischer Adliger und konservativer Jura-StudentInnen. Ich bin weder das eine noch das andere; somit kann ich problemlos Barbour-Jacken tragen, ohne diese vorgefertigte Lesart zu evozieren. Trotzdem schadet es natürlich nicht, ein Kleidungsstück zu besitzen, in dem man theoretisch den Eindruck erwecken könnte, man sei entweder eine verarmte Adlige, die nichts mehr besitzt außer ihrem Dünkel und der mehrfach geflickten Wachsjacke, oder eine Tochter aus gutem Hause mit einem abgebrochenen Jurastudium.

2. Glastonbury. Barbour-Jacken geben einem außerdem die Möglichkeit, sich wie Alexa Chung auf dem Glastonbury-Festival zu fühlen, ohne das Glastonbury-Festival besuchen zu müssen. Das ist deswegen praktisch, weil mich keine zehn Pferde auf so ein Festival bringen. Niemals.

Ihre Ladyschaft Diana, Alexa Chung, Helen Mirren, die Queen, alle in Barbour

3. Funktionskleidung. Ständig wird lamentiert, die Leute in Deutschland würden nur noch hässliche Funktionskleidung tragen, auch wenn keine Funktionskleidung nötig ist. Meine Bewegungs-App sagt mir, dass ich täglich durchschnittlich 13,55 km Fahrrad fahre. Mit Fug und Recht dürfte ich also Regenfunktionskleidung tragen. Mache ich aber nicht. Ich nehme stattdessen meine Bürgerpflicht war, trete mit meiner Wachsjacke dem Funktionskleidungseinerlei in deutschen Innenstädten entgegen und werde lieber nass. Das stimmt nämlich gar nicht, dass Barbour-Jacken wasserdicht sind. Die sind nur bedingt wasserdicht.

4. Vielseitigkeit. Man kann Barbour-Jacken immer und zu allem tragen. Ist so! Feine und formale Outfits lassen sich mit der Jacke dezent runterdressen und bekommen ein lässiges Finish, abgeranzte Klamotten hingegen werden von der Babour-Jacke aufgrund ihrer soliden, sichtbar auf Langlebigkeit angelegten Machart enorm aufgewertet.

5. Geld. Aufgrund ihrer Vielseitig- und Langlebigkeit gehören Barbour-Jacken zu den preiswertesten Kleidungsstücken überhaupt. Das lässt sich leicht mit der cost-per-wear-Formel ausrechnen:

cost of the item : number of wears = cost per wear

Meine alte Wachsjacke habe ich vor fünf Jahren für ungefähr 350 Euro gekauft. Ich habe diese Jacke jedes Jahr in den Monaten Februar bis April und September bis November täglich, in den Monaten Mai, Juni und Dezember ungefähr an der Hälfte der Tage und im Januar, Juli und August wahrscheinlich nicht getragen. Das macht ungefähr 225 Tage pro Jahr, an denen ich die Jacke getragen habe, in fünf Jahren also insgesamt 1125 Trage-Einheiten. Somit hat meine Jacke folgenden CPW-Quotienten:

350 Euro : 1125 Trage-Einheiten = 0,31 Euro

Berechne ich ein, dass ich die Jacke in den letzten fünf Jahre zweimal zum Wachsen à 50 Euro und einmal zum Flicken und Stopfen (ebenfalls 50 Euro) gegeben habe, komme ich auf einen derzeitigen CPW-Quotienten von 44 Cent – ein sensationeller Wert!

Alle mathematisch interessierten und versierten Leserinnen und Leser möchte ich nun eindringlich auffordern, die CPW-Formel um folgenden Aspekt zu erweitern: Ich habe mir in den letzten fünf Jahren keine weitere Jacke gekauft; aufgrund der oben beschriebenen Vielseitigkeit war das nicht nötig. Durch das Tragen der Jacke sind mir also eigentlich keine Kosten entstanden. Im Gegenteil – ich hab ein dickes Plus gemacht, oder? Jetzt möchte ich natürlich wissen, wie hoch dieses Plus ist.

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7. Februar 2016

What's in my bag?

Wer ist eigentlich heute noch bei Flickr, *der* online Fotosharing-Community der 2000er-Jahre? Das frage ich mich manchmal, und zwar nicht ganz unwehmütig. Für mich als einerseits ordnungs- und dokumentations-, andererseits klamottenbesessenen Menschen war Flickr und dort speziell die Sreetstyle-Gruppe wardrobe_remix ein Paradies!


Zu jedem hochgeladenen Outfit verfasste man einen kleinen Text über die Herkunft  jedes einzelnen Kleidungsstücks (my boots are vintage Sergio Rossi, belt: boyfriend, blouse: hand-me-down from my mother), und wenn man ein Teil des Outfits bereits in einem anderen Outfit vorgezeigt hatte, ergänzte man das Stichwort "remixed". So bekam man nicht nur einen schönen Überblick über das eigene Anziehverhalten, sondern auch einen detaillierten Einblick in fremde Kleiderschränke.


Zwischen 2008 und 2013 habe ich 185 Outfits bei Flickr hochgeladen, wobei spätestens 2011 klar war, dass wardrobe_remix nicht mehr das ist, was es einmal war. Viele der wardrobe_remix-Mitglieder erkannten die Zeichen der Zeit, professionalisierten ihre eigenen Blogs und zeigten nur noch dort ihre Outfits – so entstand Anfang der 10er-Jahre das Berufsbild der Fashionbloggerin irgendwo zwischen wandelnder Werbefläche, Streetstyle-Ikone und Möchtegern-Journalistin. Und außerdem kam Instagram! Wenn ich mich nicht irre, hat sogar Chiara Ferragni, die heute mit ihrem Blog "The Blonde Salade" angeblich Milliarden verdient, früher mal Outfits bei wardrobe_remix gepostet. Es kann aber wirklich sein, dass ich mich in diesem Punkt irre.


Eine andere enorm beliebte Gruppe bei Flickr war "What’s in my bag?", in der man Fotos des Inhalts der eigenen Handtasche postete. Das "What’s in my bag?"-Genre ist mittlerweile komplett zu Youtube übergelaufen und dort in Form von "What’s in my bag"-Videos nach wie vor extrem populär.


Ich frage mich allerdings, wieso ich in meiner aktiven Flickr-Zeit nie Fotos in der "What’s in my bag?"-Gruppe hochgeladen habe und hole dies hier und heute offiziell nach.

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26. Januar 2016

Meine Schminkstory

Was total witzig ist: Obwohl ich mich selbst kaum schminke, habe ich voll die Ahnung von Schminksachen. Ich könnte Euch allen problemlos ein smokey eye schminken – theoretisch!


Natürlich benutze ich auch Foundation, Augenbrauenstift, Kajal, Wimperntusche, Rouge, Puder, Lippenstift und jedes Mal, wenn Lisa Eldridge eines ihrer Schminktutorials mit That’s it, that’s the finished look! beendet, bekomme ich "so Anwandlungen", ab jetzt jeden Morgen nur noch tipptopp geschminkt aus dem Haus zu gehen.


Meistens bleibt es jedoch beim Vorsatz und sollte ich doch einmal ausführlich geschminkt zur Arbeit gehen, ist es mir spätestens um 12:30 Uhr egal, was von meinem Make-up übrig geblieben ist (nicht viel). Stattdessen ärgere mich, so viele Schminkutensilien mitgeschleppt zu haben, was wiederum dazu führt, dass ich in das andere Extrem reinpendele und mich frage, wozu man überhaupt Rouge und Kajalstift braucht, schließlich kann man den Lippenstift auch als Rouge benutzen und den Augenbrauenstift als Kajalstift. Sieht sowieso viel besser aus, so ein minimalistischer Look (und ist ein guter Grund die zahlreichen "How to downsize your make up bag"-Videos auf Youtube zu kucken).


Das ist meine Schminkstory! Wie lautet Eure Schminkstory?

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17. Januar 2016

Wichtige Info an das Universum

Ich neige nicht nur zum Animismus, sondern bin auch ziemlich abergläubisch. Komische Zufälle sind für mich keine komischen Zufälle, sondern Zeichen. Ich interpretiere gern überall etwas hinein und glaube außerdem daran, dass mir das Universum Wünsche erfüllt. Deshalb habe ich zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag an einem Ritual teilgenommen, bei dem man dreizehn Wünsche für das neue Jahr auf Zettel notiert, diese zusammenfaltet, jeden Abend eines der Zettelchen ungelesen verbrennt und den Wunsch damit dem Universum übergibt. Nur den letzten, den dreizehnten Zettel, den verbrennt man nicht, den liest man sich durch, denn für die Erfüllung dieses Wunsches ist man höchstselbst zuständig.

Neben den üblichen Wünschen wie "Weniger Arbeit" oder "Mehr Zeit für Instagram-Fotos" hatte ich auch einen materiellen Wunsch notiert: "Eine unheimlich schöne kleine schwarze Handtasche". Ich war mir ziemlich sicher, dass das Universum diesen profanen Wunsch mit dem letzten Zettel an mich zurückspielen würde, aber dummerweise stand auf dem letzten Zettel nicht "Eine unheimlich schöne kleine schwarze Handtasche", sondern da stand "Nicht immer so viele irrationale Zukunftssorgen machen" drauf. So ein Mist! Jetzt sind mir die Hände gebunden, ich muss mich in Demut üben. Ob das Universum überhaupt weiß, was ich unter "Eine unheimlich schöne kleine schwarze Handtasche" verstehe? Ich glaube nicht! Das weiß ich doch selbst nicht genau!

Derzeit liebäugele ich beispielsweise mit der Milla Mini von MCM – eine schöne Reminiszenz an meine Jugend in den Achtzigern, als MCM einen ganz großen Moment hatte:


Oder vielleicht doch lieber diese leicht ballonförmige Messenger Bag von Bottega Veneta? Ein Klassiker aus dem italienischen Luxuslederwarensegment:


Und was ist mit der Mini Lunga von TL-180, entwickelt von diesen beiden Ladies?


Was meint ihr? Ich hoffe nur, das Universum liest hier mit und schickt mir nicht versehentlich die Bucket Bag von Mansur Gavriel, die alle haben, und die mir überhaupt nicht gefällt. Drückt mir die Daumen!

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10. Januar 2016

Goldene Sandalen

Ein beliebtes Erzählformat im Internet und speziell auf Youtube – ich erwähnte es bereits – nennt sich "My worst shopping experience". Nicht, dass ich Wert auf spezielle Einkaufserfahrungen lege, aber was mir letztes Jahr im April im Chanel-Geschäft am Kurfürstendamm passiert ist, war doch sehr irritierend. Was war geschehen? Folgende goldenen Sandalen aus der Frühjahrs-/Sommerkollektion 2015 hatten es mir sehr angetan:


In der Zeit zwischen der Show (Oktober 2014) und dem Moment, ab dem man das Zeug tatsächlich kaufen kann (Frühjahr 2015), kann man in Ruhe darüber nachdenken, ob man tatsächlich mehrere hundert Euro für Sandalen ausgeben möchte – und da ich Vernunftsidiot mich im Jahr zuvor schon gegen den Kauf dieser Valentino-Schuhe entschieden hatte, fiel die Entscheidung pro goldene Chanel-Sandalen. Denn: Only a fool makes the same mistake twice!

Ich also mit dem Rad zu Chanel am Ku'Damm, wo die goldenen Sandalen im Schaufenster thronten. Im Geschäft entwickelte sich dieses Verkaufsgespräch:

Rosine: Hallo, guten Tag! Ich möchte gern die goldenen Sandalen kaufen.
Chanel-Verkäuferin: Welche Größe?
Rosine: 39.
Chanel-Verkäuferin: Ausverkauft.
Rosine: Ach, schade! Würde es Ihnen etwas ausmachen, kurz im KaDeWe anzurufen und nachzufragen, ob es die Sandalen dort noch in Größe 39 gibt?
Chanel-Verkäuferin (verschwindet kommentarlos und kommt nach zwei Sekunden wieder zurück): Auch ausverkauft.
Rosine: Und die Sandalen im Schaufenster? Was haben die für eine Größe?
Chanel-Verkäuferin: 39.
Rosine (hoffnungsvoll): Toll, darf ich die mal anprobieren?
Chanel-Verkäuferin: Nein.

Tja. Da fällt man natürlich erst mal in ein tiefes, schwarzes Loch, das sich auch nicht mit dieser extrem guten Suppe aus dem minikleinen taiwanesischen Nudelhouse auf der Kantstraße stopfen lässt! Ich meine diesen wirklich mikroskopisch kleinen Imbiss, in dem ein Foto von Helmut Kohl an der Wand hängt, auf dem er mit der Belegschaft in die Kamera lacht. Fragt ihr Euch auch immer, wie es Kohl dorthin verschlagen hat? Aber ich schweife ab. Über meiner Suppe hängend redete ich mir ein, das ganze Haus Chanel könne mir mit seinen bekloppten Gold-Sandalen sowieso den Buckel runterrutschen. Das war und ist natürlich eine glatte Lüge! Eine Selbstlüge!

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3. Januar 2016

Die 10 Mode-Gebote für 2016

Schade, dass man Vorsätze nicht mit F schreibt, denn dann würde dieser Eintrag selbstverständlich "Die 10 Fashion-Forsätze für 2016" heißen. So muss ich auf den Titel "Die 10 Mode-Gebote für 2016" zurückgreifen, denn eine Alliteration oder etwas Reimartiges muss dabei sein (ich sag nur Hanni-und-Nanni-Journalistenschule).

1. Gebot: Du sollst noch weniger Klamotten kaufen und dafür noch mehr Geld ausgeben. Wenn ich mir auf Youtube gelegentlich eine Kleiderschrankführung ("closet tour") anschaue, wundere ich mich jedes Mal, wie viel Kleidung die Leute haben. So vielen Kleidungsstücken kann man gar nicht die Liebe zuteilwerden lassen, die ihnen gebührt und ich möchte ausschließlich Kleidungsstücke besitzen, die ich liebe, und ich liebe teure Kleidungsstücke.

2. Gebot: Du sollst Deine schönen Klamotten nicht für spezielle Gelegenheiten aufheben. Manchmal denke ich morgens, "Nee, Rosine, dieses Teil ist nun wirklich zu schön für die Arbeit!" Und am Wochenende denke ich dann, "Nee, nee, nee, dieses Teil ist nun wirklich zu schade, um es am Wochenende zuhause anzuziehen!" Damit ist jetzt Schluss – das setzt aber voraus, dass das 3. Gebot konsequent eingehalten wird:

3. Gebot: Du sollst regelmäßig Deine Klamotten zur Reinigung bringen. Nachteil vom 1. Gebot: Teure Klamotten sind meistens dry clean only. Vorteil vom 3. Gebot: Es steht nicht mehr ständig ein Wäscheständer in der Wohnung herum, der sich unangenehm in ein idyllisches Instagram-Bild hineindrängen könnte.

4. Gebot: Du sollst nicht immer diese eine Jeans anziehen. Jeans sind natürlich das optimale Kleidungsstück, um sogenannte statement pieces downzudressen beziehungsweise zu kasualisieren. Zu dieser einen Jeans, die ich besitze, passt wirklich alles! Aber gilt das nicht auch für meine dunkelblaue Odeeh-Hose aus extraschwerem Wollstoff mit Bügelfalte? Und für meine schwarzen RedValentino-Culottes? Ich frage nur!

5. Gebot: Du sollst Dich nicht von Umständen und Sachzwängen bei der Wahl Deines Outfits beeinflussen lassen. Ich fahre jeden Tag ungefähr acht Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit und acht Kilometer zurück nach Hause. Auch bei Regen, auch im Winter. Ich habe kein Auto und keine Monatskarte für den ÖPNV. Da wird man irgendwann gnädiger gegenüber Funktionskleidung und legt sich zähneknirschend eine Regenjacke, zwei Regencapes, eine Regenhose und eine spezielle Regenhaube zu, um dann am Ende doch nur wieder diese eine Jeans (siehe 4. Gebot) unter der Regenhose anzuziehen! Weil es praktischer ist! "Praktischer" ist aber leider total 2015 und schließlich kann ich auch meine dunkelblaue Odeeh-Hose aus extraschwerem Wollstoff mit Bügelfalte und meine schwarzen RedValentino-Culottes unter der Regenhose anziehen. Oder etwa nicht?

6. Gebot: Du sollst Dich nicht von anderen Personen bei der Wahl Deines Outfits beeinflussen lassen. Ich denke morgens nicht nur manchmal, "Nee, Rosine, dieses Teil ist wirklich zu schön für die Arbeit" (siehe 2. Gebot), nein, manchmal denke ich auch, "Nee, Rosine, zwei verschieden Karomuster in einem Outfit, das kannst Du Deinen Kolleginnen und Kollegen wirklich nicht zumuten." Kann ich wohl! Man muss die Leute nicht unbedingt da abholen, wo sie sind, man kann sie auch einfach mal da stehen lassen.

7. Gebot: Du sollst mehr als nur einen Wintermantel besitzen. Warum sehen im Winter alle Leute gleich aus? Weil sie alle nur einen Wintermantel besitzen, der zu allem passen muss, also kaufen sie den Mantel in schwarz, blau oder grau. Ehrlich gesagt sehe es als meine Bürgerpflicht an, hier gegenzusteuern! Einen grauen und einen hellblauen Mantel habe ich bereits, etwas in dieser Art oder so einer fehlen noch in meiner Sammlung.

8. Gebot: Du sollst Dinge, für die Du in Liebe entbrennst, kaufen. Ich bereue es immer noch, dass ich diese Valentino-Treter und diese Chanel-Sandalen nicht gekauft habe. Was ist passiert? Pure Vernunft hat gesiegt – schließlich kosten die Dinger mehrere hundert Euro. Schwacher Trost: Ich kann nun eine Story zu dem im Internet beliebten Genre "Worst shopping experience ever" beitragen (dazu irgendwann einmal mehr).

9. Gebot: Du sollst die Leandra-Medine-Methode anwenden. Take five of your favorite items and put them together – die beste Anziehregel der Welt! Und wenn man das 1. Gebot strikt einhält und irgendwann nur noch favorite items im Schrank hängen hat, kann man sich morgens quasi blind anziehen. Genial!

10. Gebot: Du sollst Deine Outfits im Internet dokumentieren. Outfits, die nicht im Internet sind, existieren nicht.

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17. November 2015

Broschen

Es mehren sich die Zeichen, dass Broschen wieder in Mode kommen – siehe die aktuelle Prada-Kollektion, in der die Brosche geradezu ein center piece darstellt!


Es ist eben nur ein kleiner Schritt von der in der aktuellen Gucci-Kollektion gehypten Schluppenbluse zur Brosche, denn beiden fashion items haftet etwas Tantiges oder gar Großtantiges, mithin also etwas Madamiges an. Ich persönlich begrüße das sehr, schließlich mochte ich den Großtanten-Look schon immer und manchmal greife ich sogar zu dem Hochglanzmagazin mit dem vielversprechenden Titel Madame, in der Hoffnung, dort ausschließlich Tanten-Themen verhandelt zu sehen. Aber nein, es steht in der Madame leider das gleiche drin wie in allen high-end-Modezeitschriften.

Broschen scheinen mir ein seltsames Zwischending zu sein – weder Schmuck noch Accessoire: Während Ringe, Ketten, Ohrringe und Armreifen direkt am Körper getragen werden, heftet man Broschen wie  Orden an Kleidung. Zählt man Broschen also besser wie Taschen, Handschuhe und Schals zu den Accessoires? Nein, denn dafür sind sie nicht essentiell genug. Wer braucht schon Broschen? Kann man sich vorstellen, dass Ketten und Ringe, Schals und Handschuhe jemals out sind? No way! Das Schicksal der Brosche aber ist es, immer mal wieder für einige Jahre in der Versenkung zu verschwinden bzw. unter dem Mode-Radar hindurch zu fliegen. Denn Omas, Großtanten und alle anderen feinen alten Damen tragen Broschen selbstverständlich auch dann, wenn sie nicht en vogue sind – schließlich machen Broschen ihren signature look aus!

Meine kleine Broschensammlung


Den letzten großen Moment hatten Broschen um die Jahrtausendwende, meine ich mich zu erinnern, und zwar gleichzeitig mit Cordhosen, die danach ebenfalls vom Erdboden verschwunden sind (korrigiert mich, wenn ich falsch liege). Bilden Cordhosen und Broschen womöglich eine Schicksalsgemeinschaft und lautet die logische Fortsetzung der Begriffsreihe Schluppenbluse und Brosche vielleicht Cordhose? Ich hoffe es sehr, denn seit einigen Tagen gelüstet es mich nach einer senfgelben Cordhose, die es aber derzeit noch nirgendwo zu kaufen gibt.

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27. September 2015

Kragensituationen

Auch und gerade als Erfinderin des Instagram-Hashtags #Kragensituation muss ich zugeben, dass ich in Sachen Kragen noch viel lernen muss! Und zwar von Alessandro Michele, dem neuen Chefdesigner von Gucci:


Alessandro Michele, der Gucci binnen Kurzem zur Marke des Moments, zum Label der Stunde gemacht hat (so heißt es jedenfalls im Internet), erschafft dermaßen schöne Kragensituationen, dass ich beim Anschauen hin und her gerissen bin zwischen Frustration und Euphorie.


Frustration wegen "So etwas Schönes bekomme ich nie hin!", Euphorie wegen "Ab jetzt gebe ich mir jeden Morgen beim Anziehen noch mehr Mühe!".


Wer mich also bei meinen Bemühungen und bei meinen Rückschlägen beobachten möchte, folge mir auf Instagram und/oder fühle sich außerdem frei, die eigenen Kragenbilder ebenfalls auf Instagram hochzuladen und mit #Kragensituation zu hashtaggen. Sei dabei und werde Teil unserer kleinen Kragen-Community!

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