27. Juni 2015

Schmetterlinge

Obwohl ich schon seit vielen Jahren keine wissenschaftlichen Abschlussarbeiten mehr schreiben muss, gehört Umberto Ecos „Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt“ (7. Auflage 1998) zu den Büchern, die ich immer und immer wieder lese. Am besten gefallen mir die Kapitel „Die verschiedenen Arten von Karteikarten“, „Die Bibliothek von Alessandria“ und natürlich „Die Wahl des Themas“. Letztgenanntes Kapitel ist nämlich nicht nur dienlich beim Schreiben einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit, sondern auch beim Verfassen stinknormaler Texte wie diesem hier!

Deswegen hätte ich es eigentlich besser wissen müssen: Seit Wochen laufe ich griesgrämig durch die Gegend, weil ich es einfach nicht schaffe, mein lang geplantes Projekt in Angriff zu nehmen – nämlich ein Archiv aller Dallas-Folgen mit allen Outfits von Miss Ellie, Sue Ellen, Pam und Lucy aufzubauen. Hätte ich meinen Eco noch öfter und noch gründlicher gelesen, wäre mir klar gewesen, dass ein solch weit gefasstes Thema gar nicht zu bewältigen ist!

Also muss das Thema eingegrenzt werden. Nachdem ich mich selbst von „Alle Outfits aller Folgen von Miss Ellie, Sue Ellen, Pam und Lucy“ auf „Alle Outfits aller Folgen von Sue Ellen“ runtergehandelt hatte, musste ich schmerzlich feststellen, dass auch diese Thema noch viel zu breit ist. Ein weiteres Mal konsultierte ich WmewAs und fand auf Seite 22 den für mich wichtigen Hinweis:

Zum Schluß sei nochmals an den entscheidenden Grundsatz erinnert: Je begrenzter das Gebiet, um so besser kann man arbeiten und auf um so sichererem Grund steht man. (Achtung, liebe Kinder: Alte Rechtschreibung – don’t try this at home!)

Auf sicherem Grund stehen ist mir ein großes Anliegen, deswegen nahm ich weitere Kürzungsmaßnahmen vor und machte aus „Alle Outfits aller Folgen von Sue Ellen“ zunächst „Alle Outfits von Sue Ellen aus der zweiten Staffel“, um schließlich bei „Alle Outfits von Sue Ellen aus der zweiten Staffel, bei denen sie ihre superschöne goldene Schmetterlingskette trägt“ zu landen. Ich hoffe, Umberto Eco ist mit meiner Themenwahl zufrieden. Hier die Ergebnisse:



Sue Ellen scheint ihre Schmetterlingskette enorm zu lieben und – wenn man den Schmetterling als Symbol für Verwandlung betrachtet – auch dringend zu benötigen, denn am Ende der zweiten Staffel sieht es düster aus für Sue Ellen, unsere ehemalige Miss Texas, sehr, sehr düster:

Nachdem sie zuerst dachte, keine Kinder bekommen zu können, und deshalb einer mittellosen Frau ihr Kind abkaufen wollte, ist Sue Ellen nun doch schwanger, wobei nicht klar ist, ob J.R. der Vater des Kindes ist oder nicht vielleicht doch Cliff Barnes, J.R.s Erzfeind. Natürlich fängt Sue Ellen nun wieder an zu trinken, woraufhin J.R. sie gegen ihren Willen in ein privates Sanatorium einweisen lässt.

Leute, und jetzt kommt‘s: Das Pflegepersonal in diesem "Sanatorium" ist dermaßen verkommen, es bietet Sue Ellen heimlich Wodka an und lässt sich dies mit Sue Ellens Schmuck vergolden. Klar, Sue Ellen ist eine der reichsten Frauen von ganz Texas, das haben die natürlich sofort geschnallt, die sind ja nicht blöd! Zumindest nicht so blöd wie Sue Ellen, die, wie ich vermute und befürchte, auch ihre hübsche Schmetterlingskette für Alkohol versetzen wird.

Der Ehrlichkeit halber möchte ich zum Schluss mein Thema noch ein letztes Mal modifizieren: „Alle Outfits von Sue Ellen aus der zweiten Staffel, bei denen sie ihre superschöne goldene Schmetterlingskette trägt (die ich auch gern hätte)“ 

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31. Mai 2015

Take Five

Ich muss Euch nicht erzählen, wer Leandra Medine ist. Ihr alle kennt ihren Blog The Man Repeller, "a humorous website for serious fashion", und schätzt die New Yorkerin wegen ihrer witzigen Outfits und ihrer sagenhaften Layering-Skills. Mein Fangirltum  in Bezug auf Leandra Medine geht sogar so weit, dass ich ein Pinterest-Board mit dem Titel "Leandra Medine: unstoppably cool" angelegt habe, auf dem ich zur Inspiration ihre Outfits sammle. Auch ich möchte unaufhaltsam cool sein! Zumindest ab und zu.

Auf Youtube gibt es ein schon etwas älteres Video mit Leandra Medine, ein „How To Wear“-Video, in dem es eigentlich um sogenannte Statement-Pants geht, sie aber ganz zum Schluss in einem kurzen Satz das Geheimnis ihrer legendären Outfits lüftet:

"Take five of your favorite items and put them together. No, really, it works. I promise. I swear."

Ist das etwa der Trick, mit dem auch ich ein bisschen Leandra-Feeling in meine Leben bringen kann? Does this really work? Ich werde es für Euch testen und drei Outfits mit jeweils fünf favorite items nach der Medine-Methode zusammenstellen!

Erster Versuch
(1) Givenchy-Turnschuhe mit Paisley-Muster. Wenn ich die Dinger anhabe, gratulieren mir fremde Menschen auf der Straße zu diesem tollen Besitz. Ich schwöre!
(2) Enge schwarze Hose, gekauft für kein Geld bei Karstadt am Hermannplatz. Die Hose ist aus mehreren Gründen ein favorite item: Sie sitzt wie eine Eins, sie ist immer für mich da, wenn ich nicht weiß, was ich anziehen soll, und sie zieht Schmutz nicht etwa magisch an, sondern weist ihn geradezu magisch ab!
(3) COS-Kragen.
(4) Blau-weiß gestreifte Bluse von Polo/Ralph Lauren, denn mal ehrlich: Wer liebt blau-weiße Streifen nicht?
(5) Neopren-Pulli von American Retro, Hintergrundinfos hier.

Was meint ihr? Does this outfit really work??

Zweiter Versuch
(1) Marni-Schuhe, denn: "The Marni-woman is a rare breed."
(2) Blau-rot gestreifte Socken. Blau-rote Streifen sind ja bekanntlich die Punks unter den Streifen.
(3) Jeansrock von Mads Nørgaard.
(4) Cacharel-Bluse. Seit ich einmal von meiner Mutter eine Cacharel-Bluse aus den späten 70ern geerbt habe, die über und über mit Herbstlaub bedruckt war, bin ich ein äußerst loyaler Cacharel-Fan.
(5) Barbour-Jacke.

Was meint ihr? Does this outfit really work??

Dritter Versuch
(1) Geflochtene Schuhe von Yves Desfarge. Fun Fact: Es gibt in Wien im 9. Bezirk einen Laden, der ausschließlich französische Schuhe verkauft, keine High-end-Geschichten, sondern solide Schuhe aus dem mittleren Preissegment. Immer, wenn ich in Wien bin, also meist zweimal im Jahr, muss ich diesen Schuhladen abchecken, aus Angst, etwas zu verpassen. Ich kann nicht anders – obwohl ich dort noch nie etwas gekauft habe! Aber dieses Mal habe ich etwas gekauft, nämlich die vorliegenden Treter, und ich hoffe, den FOMO-Fluch damit gebannt zu haben.
(2) Jeans von Boss. [Idee/Notiz: Boss könnte doch mal eine Zweitlinie mit dem Namen #girlboss herausbringen. Zielgruppe: Fashionbloggerinnen, Start-Up-Gründerinnen und alle, die ihre Instagram-Bilder gern mit dem Hashtag #girlboss hashtaggen.]
(3) Pinkfarbene Bluse mit Schleife von LoveMoschino.
(4) Sweatshirt von Agnes B.
(5) Bakelit-Armreifen in rosa und grün vom  Flohmarkt auf der Straße des 17. Juni. Ich mag Bakelit nicht nur als Material, sondern auch als Wort. Bakelit. Bakelit. Bakelit.

Was meint ihr? Does this outfit really work??

Übrigens: Wenn man die Medine-Methode mit der KonMari-Methode verknüpft, ist man quasi alle Kleidersorgen auf einmal los. Die KonMari-Methode ist die derzeit populärste Art und Weise des Kleiderschrank Ausmistens: Man schmeißt einfach alle Kleidungsstücke raus, für die man weniger als echte Liebe empfindet, so dass man am Ende nur noch favorite items im Schrank hängen hat. In Kombination mit der Medine-Methode kann man dann morgens blind fünf Teile aus dem Kasten ziehen und es wird auf jeden Fall ein unstoppably cooles Outfit dabei herauskommen. No, really, it works. I promise. I swear.

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8. März 2015

Bericht aus Lissabon

Habe ich in meinem letzten, bald vier Jahre zurückliegenden Beitrag zu der Kategorie „Bericht aus“ über Brüssel geschrieben, Brüssel sei eine Stadt ohne Bänke, dann kann ich nun mit Fug und Recht festhalten, Lissabon ist eine Stadt der Banken. „Aha“, denkt man sich, wenn man auf der Suche nach einem Supermarkt durch die Lissabonner Innenstadt läuft, „so sieht also dieses Bankenretten in real life aus.“ – denn es befindet sich ungefähr in jedem zweiten Gebäude eine Bankfiliale. Es ist tatsächlich einfacher, in Lissabon eine Bank zu finden als einen Supermarkt! Vom Find-Schwierigkeitsgrad her, würde ich sagen, liegen Supermärkte in Lissabon ungefähr auf einem Level mit Stoff- und Wollgeschäften, wenn nicht sogar darüber! Ich habe nämlich in der Innenstadt vier Stoffläden und ein Wollgeschäft gezählt, aber nur drei Supermärkte – einen der Firma Minipreço und zwei der Firma Pingo Doce (von mir frei aus dem Bauch heraus mit „Zwölf Pinguine“ übersetzt).


Was es hingegen enorm häufig gibt, zum Glück häufiger als Bankfilialen, sind sogenannte Pastelarias (eine Art Konditorei oder Kaffeebar), in denen man sich den lieben langen Tag mit enorm gutem Gebäck vollstopfen kann – außer zwischen 12:30 und 14:00 Uhr sowie zwischen 20:00 und 22:00 Uhr. In diesen Zeitintervallen verwandeln sich die Pastelarias in kleine Restaurantes und man schwenkt von den süßen pastéis de nata um auf die andere Spezialität Lissabons, den Stockfisch (bacalhau). Total toll!


Ich erwäge derzeit sogar die Anschaffung eines Mini-Bunsenbrenners bzw. Karamellisiergerätes, um so meine Versorgung mit den pastéis de nata auch in Zukunft sicherzustellen. Wo ich den bacalhau herbekomme, ist allerdings noch unklar.

Wenn man in der Pastelaria oder im Restaurante bezahlen möchte, ruft man nicht etwa pagar durch die Gegend, sondern man nimmt Augenkontakt mit dem Kellner auf, woraufhin der Kellner in Kombination mit einem fragenden Blick mit dem Daumen und Zeigefinger eine Unterschreib-Bewegung macht, wie man sie auf den EC-Karten-Symbolen findet:


Die Rechnung bekommt man dann auf einem Geldtablett mit eingebauter Wegfliegsperre serviert, denn es ist sehr windig in Lissabon – Stichwort Atlantik.


Läuft man außen an einer Pastelaria vorbei und sieht innen einen Bekannten sitzen, dann winkt man und macht das Daumen-hoch-Zeichen, woraufhin der/die Innensitzende ebenfalls mit Winken und der Thumbs-up-Geste antwortet. Insgesamt, so scheint mir, redet man in Lissabon nicht sehr viel, und das Wenige, das man sagt, sagt man sehr leise und nuschelt es so vor sich hin. Sehr sympathisch! Ich habe mich selbstverständlich vor Reiseantritt mit den wichtigsten Begriffen vertraut gemacht – bitte, danke, Guten Tag und so weiter. Zur Verabschiedung sagt man angeblich Adeus, a-de-usch ausgesprochen, aber ich sage Euch, in der ganzen Woche habe ich niemanden dieses Wort sagen hören! Sogar auf dem Rückflug habe ich mich noch gewundert, wieso der Taxifahrer zur Verabschiedung am Flughafen „hurry up“ zu mir sagt, wo ich doch total pünktlich war. Bis es mir dann kurz vor Schönefeld wie Schuppen von den Augen fiel: Der hat gar nicht hurry up gesagt, der hat adeus gesagt!


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14. Februar 2015

Suspense

Ahhhhhhhhhhhhhhhhhh, ich bin derzeit mal wieder total auf dem Victoria-Holt-Trip! Victoria Holt ist eines von vielen Pseudonymen der britischen Schriftstellerin Eleanor Hibbert, ihres Zeichens Verfasserin sogenannter historischer Romane. Ich möchte hier allerdings nicht unerwähnt lassen, dass ich innerhalb der letzten 30 Jahre so ziemlich alle Bücher von Victoria Holt gelesen habe und trotzdem von britischer Historie nicht die geringste Ahnung habe. Ja, sicher, Victoria Holts Romane haben immer irgendetwas mit der Vergangenheit zu tun, aber nicht mit einer konkreten, an Jahreszahlen festzumachenden Vergangenheit, sondern mit so einer Art Universal-Vergangenheit. Neulich beispielsweise las ich "Das Geheimnis der Schwestern" (englisch "Bride of Pendorric") und war total irritiert, als in dem Roman auf einmal ein Telefon auftauchte! Ich dachte, die Story würde siebzehnhundertnochwas spielen wegen all der uralten, zugigen Herrenhäuser, der Steilküsten in Cornwall, der Ausflüge ins Moor und der Kleider aus grünem Samt. Wenn Ihr mich fragt, ist Victoria Holts Genre weniger der historische Roman, sondern vielmehr der Romantik-Thriller, auf Englisch heißt das, glaube ich, Gothic Novel, Gothic Romance oder Gothic Mystery bzw. Romantic Suspense und ich lehne mich sicher nicht allzu weit aus dem Herrenhausfenster, wenn ich Victoria Holts Œuvre als trivial bezeichne. So trivial, wie uns der folgende Buchdeckel weismachen will, aber nun auch wieder nicht!


"The Shivering Sands", zu Deutsch "Treibsand", ist mein ab-so-lu-tes Lieblingsbuch von der Holt! Das oben abgebildete Exemplar hat mir einmal meine Schwester geschickt, als ich sehr krank war, woraufhin ich durch den enormen Lese-Fun ziemlich bald wieder gesund wurde. Seit wir es zum ersten Mal aus der evangelischen Gemeindebücherei unseres Heimatdorfes ausgeliehen haben, ist Treibsand nämlich nicht nur mein Lieblingsbuch, sondern auch das meiner Schwester.


Die Hauptpersonen in den Victoria-Holt-Romanen sind immer junge Frauen, die es irgendwie (meist als Gouvernante) in eines dieser alten englischen Gemäuer verschlägt, wo es natürlich auch spukt! Die jungen Frauen sind aber allesamt sehr klug und rational (was man z.B. daran erkennt, dass sie im Schachspiel brillieren) und klären im Laufe der Geschichte auf, dass hinter dem Spuk beispielsweise ein psychisch krankes Familienmitglied steckt, das den ganzen Zinnober inszeniert hat, um die Protagonistin wieder zu vertreiben und/oder um ein uraltes Familiengeheimnis zu bewahren. Das Ganze ist natürlich irre spannend! Und obwohl die Protagonistinnen sehr klug und rational denken und handeln, haben sie aber überhaupt kein Problem damit, auch mal dem Ruf ihres Herzens zu folgen! In fast jedem Roman spielt übrigens auch ein Dorfpfarrer mit, der in einem dieser hübschen kleinen englischen Cottages wohnt, welches wiederum als Gegenwelt zu den gruseligen, burgartigen Adelslandsitzen dient. Ob der Dorfpfarrer der Grund ist, warum in unserer evangelischen Gemeindebücherei nicht nur das Holt‘sche Gesamtwerk, sondern auch das der sieben anderen Alter Egos von Eleanor Hibbert verfügbar war? Aber vielleicht war auch die Bibliothekarin Frau S. Romantic-Suspense-Fan. Man weiß es nicht.


Für meine Schwester und mich war es jedenfalls nicht nachvollziehbar, ja, geradezu unfassbar, dass ein dermaßen gutes Buch wie Treibsand bisher noch nicht verfilmt worden war – ein ganz klarer Fall für uns! Wir wohnten mittlerweile in Tübingen und so machten wir uns mit Dollar- bzw. Pfund-Sterling-Zeichen in den Augen gemäß Bourdieus Habitus-Konzept nicht etwa in eine der zahlreichen Tübinger Universitätsbibliotheken auf, sondern gingen in die Tübinger Stadtbibliothek, um uns dort ein "Wie schreibe ich ein Drehbuch"-Buch auszuleihen. Aber irgendwie war der Drehbuch-Ratgeber Mist, wir verzettelten uns schon bei der Eingangssequenz heillos und ich bin dann nach Berlin gezogen. Der schöne Plan verlief im (Treib-)Sand! Aber vielleicht waren wir ja nur unserer Zeit voraus!? Es waren die Neunziger – zwanzig Jahre vor dem Downton-Abbey-Hype. Ob man vielleicht noch einmal einen Versuch wagen sollte? The Shivering Sands als Mini-Serie – eventuell ein Dreiteiler? Denn im Prinzip sind die Bücher von Victoria Holt auch nichts anderes als Downton Abbey, nur mit weniger Kitsch, aber dafür umso mehr Suspense!

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18. Januar 2015

Graue Haare

Nicht nur beim Friseur, sondern auch sonst werde ich recht häufig auf meine grauen Haare angesprochen – wie toll und speziell und interessant das aussähe! Dabei sind ungefähr 80 Prozent meiner Haare nach wie vor dunkelbraun bis schwarz, die restlichen 20 Prozent sind in Form von zwei Strähnen vorne rechts und links des Scheitels grau. Ich bin über vierzig, genaugenommen könnte man auch sagen, ich bin Mitte vierzig, es ist also völlig normal, graue Haare zu haben, oder etwa nicht?

Ich weiß, ich weiß, das große Hallo gilt natürlich nicht meinen grauen Haaren, sondern der Tatsache, dass ich meine grauen Haare nicht färbe. Hierzu möchte ich wie folgt Stellung nehmen: Ich wohne in einer Stadt mit Doppeldeckeromnibussen und wer wie ich nicht nur einmal, sondern unzählige Male beispielsweise mit dem M29er vom Grunewald über den Kurfürstendamm an der Urania vorbei durch Kreuzberg zum Hermannplatz gegondelt ist und dabei reichlich Zeit hatte, vom Oberdeck aus auf all die schlampigen, rausgewachsenen grauen Ansätze und die schlecht in Eigenregie gefärbten Haare hinunterzuschauen, kann eigentlich überhaupt keine andere Entscheidung treffen, als graue Haare NICHT zu färben! Und für ein high-maintenance-Projekt wie alle drei Wochen zum Friseur zu gehen, um die Ansätze nachfärben zu lassen, bin ich nicht nur zu faul/habe ich nicht nur zu wenig Zeit, ich gebe mein Geld auch ungern für Haarfarbe aus, sondern natürlich ausschließlich für Essen, Klamotten, Schminksachen und Beautyprodukte. Deswegen: Gefärbte Haare nicht für mich!

Meine These, dass es aus oben genanntem Grund in Städten mit Doppeldeckerbussen mehr grauhaarige Frauen gibt, wird übrigens bestärkt von meinen beiden Stil-Vorbildern in Sachen graue Haare, Ruth Chapmann und Sarah Harris.

Links Sarah Harris, rechts Ruth Chapman (Bild stammt von Tommy Ton)

Ruth Chapman ist CEO von einem weltweit agierenden, in London ansässigen online-Retailer und Sarah Harris hat irgendeinen Posten bei der Vogue UK inne. In London gibt es bekanntermaßen (Genau wie in Berlin!) Doppelstockbusse und ich stelle mir gern und oft vor, wie Sarah Harris und Ruth Chapman im Oberdeck eines dieser roten Busse durch London zu ihrer Arbeit gegurkt sind und dabei (Genau wie ich!) beim Hinaus- beziehungsweise Hinunterschauen zu der Überzeugung gekommen sind, dass graue Haare nicht nur weitaus besser als schlecht gefärbte Haare mit rausgewachsenen Ansätzen, sondern insgesamt ziemlich okay aussehen. Swag!

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6. Dezember 2014

Neopren

Seit einiger Zeit ist ja Neopren in Mode – stimmt doch, oder? Ja, ich denke, das ist korrekt. Zumindest habe ich mir vor wenigen Wochen ein Neopren-Oberteil im Lafayette gekauft, ganz out kann Neopren also nicht sein.

Neopren-Pulli von American Retro

Dieses Neopren-Sweatshirt trage ich, wenn nicht in fetischartiger Art und Weise, so doch mit einiger Besessenheit, also quasi jeden Tag. Habe ich das Sweatshirt einmal nicht an, bin ich nicht die, die ich derzeit sein will! Das ist natürlich heillos übertrieben auf der einen Seite, aber irgendwie wahr auf der anderen.

Im Hintergrund: Rauhfasertapete

Meine erste Begegnung mit Neopren hatte ich übrigens im Sommer 1986, damals, als ich in Malcesine am Gardasee im Stickl Surfcamp meinen Surfschein gemacht habe und zum ersten Mal einen Neoprenanzug trug. Die meisten von Euch wissen es, aber ich sage es gern noch einmal: Ich besitze einen Windsurfing-Grundschein! Auf diesen Lappen bin ich ziemlich stolz, denn er ist nicht nur meine Lizenz zum Windsurfen, sondern macht mich zugleich zu einer unangefochten Koryphäe in Sachen Achtziger Jahre.

Neoprenpulliärmel auf Rauhfasertapete

Wer 1986 am Gardasee surfen war, hat das Mark der Achtziger Jahre in sich aufgesogen! Zur Bekräftigung dieser Behauptung möchte ich hinzufügen, dass der Surflehrer zwei Swatch-Uhren trug, eine am linken Handgelenk, die andere am rechten.


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16. November 2014

Schuhbeutel

Vor ein paar Jahren hatte ich mal sechs Wochen lang in Frankfurt am Main zu tun. Sonntagabends fuhr ich mit dem Zug nach Frankfurt und freitagabends zurück nach Berlin. Gewohnt habe ich im Hotel. Netterweise haben mir die Hotelangestellten immer dasselbe Zimmer zugewiesen, sodass ich in diesen sechs Wochen ein gewisses Hotel-Heimatgefühl entwickelte. An einem der Sonntagabende entdeckte ich – also, das war wirklich total seltsam, ich packte gerade meine Sachen aus – hinter dem Vorhang meines Zimmers einen Schuhbeutel, einen einzelnen Louis-Vuitton-Schuhbeutel. Wer hatte am Wochenende in MEINEM Bettchen geschlafen???

Dies war nicht nur der Moment, in dem ich das Märchen Schneewittchen und die sieben Zwerge zum ersten Mal wirklich durchdrang, sondern auch der Moment, in dem mir klar wurde, dass man Schuhbeutel tatsächlich dazu benutzt, um Schuhe hineinzutun und damit zu verreisen. Ich benutze Schuhbeutel für alles mögliche, aber Schuhe habe ich noch nie darin verstaut. In diesem Schuhbeutel bewahre ich beispielsweise meine Wäscheklammern sowie eine Ersatzwäscheleine auf:


Im folgenden Beutel befinden sich verschiedene Beautytools und -devices elektrischer Natur. Von Schuhen keine Spur!


Wenn ich Proviant zur Arbeit mitnehme, dann transportiere ich meine Vesperbox in diesem lila Beutel:


In diesem Herrenschuhbeutel finden sich  - weil Abba draufsteht - neben dem Ladekabel für mein Mobiltelefon Kopfhörer in verschiedenen Größen und Ausführungen. Warum auch nicht.


Die nächsten beiden Beutel müssen noch ihrer Bestimmung zugeführt werden. Vielleicht Schnürsenkel in den einen und Haarbürsten in den anderen? Ich habe irgendwo mal gelesen – und das will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen –, dass man Haarbürsten immer in einem Stoffsäckchen aufbewahren muss, um sie vor dem Einstauben zu schützen. Dann muss ich zumindest nicht mehr jeden Morgen beim Haarebürsten daran denken, dass Bürsten eigentlich in einen Stoffbeutel gehören!



Bei diesem Riesensack handelt es sich natürlich nicht um einen Schuhbeutel, sondern um eine sogenannte dust bag für Handtaschen. Inhalt: Sachen, die geflickt werden müssen.


Was aus dem Louis-Vuitton-Schuhbeutel geworden ist, weiß ich leider nicht. Ich habe ihn einfach hinter dem Vorhang liegenlassen, bin freitags nach Berlin gefahren und als ich sonntags zurückkam, war er verschwunden.

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17. Oktober 2014

Do It Yourself

Nicht, dass ich mit meiner Ungeschicklichkeit kokettieren möchte, aber wie es mir neulich nicht gelang, das Rücklicht meines Fahrrads selbst zu reparieren, will ich Euch doch erzählen.

Am Sonntagabend auf dem Nachhauseweg von einer Radtour bemerkte ich, dass mein Rücklicht nicht mehr funktioniert. Das kommt vor, sagte ich mir, da muss ich mir wohl ein neues Rücklicht kaufen! Am Montagmorgen stellte ich mir etwas Werkzeug zusammen, stopfte es in eine dieser kleinen dm-Plastiktüten, welche ich wiederum Matroschka-mäßig in meine Fahrradtasche warf. Der Plan war: Pünktlich Feierabend machen, auf dem Nachhauseweg das neue Rücklicht kaufen, sofort installieren, um so bei Einbruch der Dunkelheit mit Licht weiterfahren zu können. Und so geschah es auch: Rein in den Radladen, Licht gekauft, raus aus dem Radladen, um im goldenen Glanz der herbstlichen Abendsonne mein neues Rücklicht ranzumontieren. Wie Queen Elisabeth fühlte ich mich, als sie seinerzeit im Zweiten Weltkrieg als KFZ-Mechanikerin Lastwagen reparierte! An meinen Händen befand sich Schmieröl.


Allein, es taten sich Widerstände auf. Ich konnte nämlich die Steckkontakte nicht finden, an die ich die beiden kleinen Kabel anschließen musste, die aus dem Nabendynamo im Vorderrad über das Vorderlicht durch den Rahmen und unter dem Schutzblech des Hinterrads hindurch die Verbindung zum Rücklicht herstellen. Ich konnte sie einfach nicht finden! Etwas unleidlich, aber mit dem Ersatzplan, am nächsten Tag die Kollegen aus der IT-Abteilung um Hilfe zu bitten, fuhr ich heim. Die müssen das wissen, die haben ja den ganzen Tag mit Kabeln zu tun.


Am nächsten Morgen berichtete ich am Fahrradstellplatz meiner Arbeitsstätte einer Kollegin von meinem Problem. „Liebe Rosine“, klärte mich die Kollegin nach einem kurzen Blick auf das Rücklicht auf, „da kannst Du lange nach den Kontakten suchen, das ist ein batteriebetriebenes Rücklicht, keins für einen Dynamo!“ Da stand ich nun in meiner Barbourjacke und schämte mich wegen meiner Queen-Elisabeth-Assoziation. Abends schlich ich mich unauffällig in den Fahrradladen, um möglichst unbemerkt das richtige Rücklicht zu kaufen. Die befürchtete Bloßstellung durch den Verkäufer („Warst Du nicht gestern schon mal da und hast das gleiche Licht nur für Batterie jekauft? Haste Dir wohl vergriffen, wa? Zu blöd zum Licht kaufen, wa?“) blieb zum Glück aus und auch das Montieren des Rücklichts war kein Hexenwerk, sondern geradezu ein Kinderspiel. Nur: Der Scheiß wollte trotzdem nicht funktionieren.

Schuhe: Marni

Ich mache es kurz: Wegen Arbeitsverdichtung gelange es mir am nächsten Tag nicht (es war mittlerweile Mittwoch) einen Kollegen zu bitten, sich den Mist mal anzuschauen. Also fuhr ich abends zu Karstadt am Hermannplatz – ein weiterer Besuch im Radladen stand nicht zur Debatte – um dort zumindest Batterien für das falsche Rücklicht zu kaufen. Auf dem Karstadt-Fahrradparkplatz stellte sich dann heraus, dass ich die verkehrten Batterien erworben hatte (zu klein). Wichtige atmosphärische Zusatzinfo: Es regnete in Strömen. Am nächsten Tag – Donnerstag, to whom it may concern – fand mein Kollege schließlich heraus, dass nicht mein Rücklicht, sondern ein Kontakt zwischen dem Vorderlicht und dem Kabel, das das Vorderlicht mit dem Rücklicht verbindet, kaputt war. Nun hatte ich wenigstens eine Diagnose! Ich hatte Klarheit! Nach Feierabend kaufte ich mir die passenden Batterien und fuhr halb Fisch, halb Fleisch nachhause. Das Reparieren des Kontaktes und das Anschließen des richtigen Rücklichts werde ich nun Fachleuten überlassen. Man soll auch nicht immer alles selbstmachen! DIY ja, aber doch bitte im Rahmen! Bzw. im Fahrradrahmen für alle Kalauer-Liebhaber.

Auch wenn mir die Reparatur meines Rücklichts nicht gelang, so gibt es doch auch Erfolge zu berichten: Das Hinzufügen dieser schönen Treter zu meiner Schuhsammlung hat nämlich ganz problemlos funktioniert!


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28. September 2014

Beauty Regime

Immer nur über Mode, Klamotten und Fashion schreiben ist doch langweilig! Deswegen soll es heute einmal um etwas ganz anderes gehen, nämlich um Schminksachen und Beautyprodukte – genauer gesagt um mein tägliches beauty regime. Dass der Begriff beauty regime so viel wie tägliche Gesichtspflege bedeutet, muss ich Euch nicht erklären, und klar, man könnte sagen, Anglizismen sind ein no-go, aber was soll ich machen? Das heißt nun einmal beauty regime heutzutage und egal, ob beauty regime oder Schönheitsherrschaft, es handelt sich um ein Regime, dem ich mich freiwillig, willfährig und liebend gern unterordne. Schließlich habe ich diese Diktatur selbst installiert bzw. frei gewählt!

Mein tägliches beauty regime wird von folgenden vier Säulen getragen: Hightech – Hipness – Naturkosmetik – Lisa Eldridge [Abbildung 1].

Abbildung 1: Rosines beauty regime

Wie ihr dem Schaubild entnehmen könnt, findet zwischen den einzelnen Säulen ein reger Austausch statt und oftmals sind sie nicht ganz eindeutig voneinander abgrenzbar. So ist beispielsweise alles, was Lisa Eldridge macht, binnen kurzem hip und selbstverständlich bedient sich die Abteilung Hightech oft in der Abteilung Naturkosmetik (selten andersherum). Entscheidend ist, dass die Schönheitsherrschaft, der man sich unterwirft, exakt den eigenen Bedürfnissen angepasst wird. Die Abteilung Hipness beispielsweise sollte niemals zu hip sein! Besser ist es, Produkte zu verwenden, die derzeit noch völlig unangesagt sind, aber das Potential haben, demnächst enorm hip zu werden. Ein Beispiel: Jetzt, wo sich wirklich tout le monde mit der oil cleansing method (OCM) das Gesicht reinigt, habe ich diese Vorgehensweise aus meinen beauty regime hinausgeworfen und stattdessen die Rhassoul-Methode eingesetzt. Rhassoul ist marokkanische Lavaerde, ein grünlich-braunes Pulver, das mit Wasser angerührt einen dunkelbraunen Brei ergibt, den man sich sorgfältig ins Gesicht klatscht oder schmiert und mit lauwarmem Wasser abspült [Abbildung 2]. Hat natürlich nichts mit Lava zu tun, sondern mit lateinisch lavare, waschen – Wascherde also. Rhassoul befindet sich derzeit noch in der Kategorie Naturkosmetik, könnte aber bald in die Kategorie Hipness hinüberrutschen, zum Beispiel, wenn Lisa Eldridge in einem ihrer Videos Rhassoul-Reinigung für gut befindet.

Abbildung 2: Rhassoul

Das Gute an Rhassoul ist, dass es das Gesicht sehr sauber und das Waschbecken und die Handtücher sehr schmutzig macht – vorausgesetzt, die persönliche Definition von „gut“ umfasst schmutzige Waschbecken und schmutzige Handtücher, was auf mich nicht zutrifft. Aus diesem Grund habe ich mir zur Gesichtsabtrocknung einen Stapel hübscher kleiner Seiftücher in Dunkelgrün zugelegt, 30 mal 30 Zentimeter große Miniatur- oder Cocktail-Handtücher (nicht zu verwechseln mit Gästehandtüchern), die man nach ein-, zweimaligem Gebrauch in die Wäsche schmeißt [Abbildung 3].

Abbildung 3: Seiftücher dunkelgrün, 30x30 cm, gefaltet

Entre nous: Ich hatte bis vor dem Kauf oben genannter Seiftücher nur eine ganz vage Vorstellung davon, was Seiftücher genau sind, muss aber nun im Internet lesen, Seiftücher hätten „auch heute noch in jedem Bad den Status eines unverzichtbaren Utensils“ und dienten „dem intensiven Einseifen des Körpers […], um einen möglichst hohen Hygienestandard sicherzustellen“. Stimmt das? Könnt Ihr das bestätigen? Habt Ihr alle stapelweise Seiftücher zuhause herumliegen? Um Euch damit einzuseifen? Oder zumindest das Gesicht abzutrocknen? Bin ich etwa die einzige, die erst seit Kurzem Seiftücher besitzt?

Übrigens füge ich meiner Rhassoulpampe immer ein paar Tropfen Arganöl hinzu, wegen der Anti-Aging-Wirkung. Wobei man heutzutage ja nicht mehr anti-aging sagt, sondern irgendwie anders. Anti-aging klingt so verzweifelt! „Age smart“ beispielsweise nennt sich die entsprechende Produktlinie einer Hightech-Kosmetikmarke, die ich benutze, und die mir im KaDeWe von Amazonen in weißen Arztkitteln für ein Heidengeld vertickt wird. Diese sogenannten Cosmeceuticals, ein Portmanteau aus cosmetics und pharmaceuticals, suggerieren, sie enthielten medizinisch wirksame Stoffe – was sie ja vielleicht, eventuell oder wahrscheinlich auch tun. Welche Stichwörter müssen hier genannt werden? Richtig, AHA (alpha hydroxy acid) und BHA (beta hydroxy acid). Weil zu viel Hightech und zu viel Chemie den Leuten jedoch Angst macht, enthalten die Cosmeceuticals oftmals auch einen Wirkstoff, der eigentlich in der Naturkosmetik verwendet wird. Arganöl zum Beispiel! Aber natürlich nicht das komplette Arganöl, sondern maximal die DNA von Arganöl oder die hochwirksame age-smart-Quintessenz von Arganöl. So kann man Hightech-Kosmetik verwenden und sich dennoch in einer Ahnenreihe mit sagen wir mal Kleopatra fühlen, die ja – da bin ich mir ziemlich sicher – Arganöl zur Schönheitspflege benutzt hat. Kleopatra next level gewissermaßen.

Zur Abrundung schaut Ihr Euch bitte noch zwei Klassiker des beauty-regime-Videos an, und zwar einmal Lisa Eldriges Make-Up Removal und zum anderen, ebenfalls von Lisa Eldridge, My Beauty Regime On Long Haul Flights.

Wir sehen uns!

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27. Juli 2014

Paninaro

Wetten, Ihr wisst nicht, was sich hinter dem Begriff Paninaro verbirgt? Bei Paninaro handelt es sich um einen italienischen Streetstyle der frühen Achtzigerjahre, der mit dem deutschen Popper- und dem amerikanischen Preppy-Stil der damaligen Zeit nur unzureichend beschrieben werden kann!

Die Quintessenz des Paninaro-Stils bestand aus Jeans in eher heller Waschung, die relativ weit hochgekrempelt waren, damit man die wirklich unverzichtbaren Burlington-Socken sehen konnte. Entweder Burlington-Socken oder keine Socken, das war die Devise! Schuhtechnisch trug man Timberlands und zwar entweder die Bootsschuhe oder die knöchelhohen Schnürboots. Dazu ein Hemd oder eine Bluse, darüber ein Sweatshirt von Best Company oder einen um die Schultern gelegten Strickpulli mit Rundhalsausschnitt in rot oder vielleicht dunkelblau sowie gegebenenfalls eine Moncler-Daunenjacke. Paninaro war quasi ein Über-Stereotyp des klassischen italienischen Freizeit-Stils.

Bilder sind aus dem Internet zusammengeklaut. Urheberschaft unklar. Obwohl alle Paninaro-Insignien auf den Bildern vertreten sind, sehen die jungen Leute seltsam jetztzeitig aus. Gibt es in Italien etwa ein movimento neo paninaro?

Ich kenne mich in dem Metier übrigens deswegen so gut aus, weil ich mich in den frühen und den Mittachtzigern in Sachen Schüleraustausch das ein oder andere Mal in einer süditalienischen, genauer apulischen Kleinstadt aufhielt, wo ich mit zahlreichen Paninari zusammentraf. Roberta Q. beispielsweise war eine entschiedene Paninaro-Anhängerin und hatte ihr Zimmer mit Wham!-Plakaten tapeziert – George Michael und Andrew Ridgeley von Wham! waren neben den Mitgliedern von Duran Duran die Stilvorbilder der Paninari.

Ein anderes Mal war ich bei Ilaria Z. zu Gast, deren Freund ein Moto hatte. Bei uns hießen die Dinger Enduro oder Achtziger (bzw. Achtzger, ich komme aus Süddeutschland) und sahen ein bisschen so aus wie Geländemaschinen. Natürlich wurden in den Achtzigern in Italien nach wie vor Vespas gefahren, aber die Paninari fuhren Moto. Ilaria Z. konnte zum Glück einen anderen Typen organisieren, der ebenfalls ein Moto hatte, und so heizten wir zu viert durch die süditalienische Kleinstadt mit um die Schulter gelegten Pullis und ohne Helm. Helm tragen war seinerzeit per Gesetz verboten in Italien, glaube ich, denn man kann mit Helm unmöglich bella figura machen, was ja wiederum eine Art Grundrecht, aber auch ein Grundgesetz ist in Italien.

Meine Schulfreundinnen und ich fanden den Paninaro-Stil echt stark und haben jedesmal aufs Neue versucht, ihn aus der süditalienischen in die süddeutsche Kleinstadt zu transferieren, was uns aber natürlich nicht gelang. Grund: Überall außerhalb Italiens sehen um die Schulter gelegte Pullis einfach Panne aus! Geblieben aus dieser Zeit ist mir aber noch ein Haaruntensil. Man kann das nicht mehr richtig sehen, aber da stand mal Fiorucci drauf! Fiorucci!! Ihr wisst Bescheid, oder?

Eine Haarspange von Fiorucci muss man erst mal haben

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