16. November 2014

Schuhbeutel

Vor ein paar Jahren hatte ich mal sechs Wochen lang in Frankfurt am Main zu tun. Sonntagabends fuhr ich mit dem Zug nach Frankfurt und freitagabends zurück nach Berlin. Gewohnt habe ich im Hotel. Netterweise haben mir die Hotelangestellten immer dasselbe Zimmer zugewiesen, sodass ich in diesen sechs Wochen ein gewisses Hotel-Heimatgefühl entwickelte. An einem der Sonntagabende entdeckte ich – also, das war wirklich total seltsam, ich packte gerade meine Sachen aus – hinter dem Vorhang meines Zimmers einen Schuhbeutel, einen einzelnen Louis-Vuitton-Schuhbeutel. Wer hatte am Wochenende in MEINEM Bettchen geschlafen???

Dies war nicht nur der Moment, in dem ich das Märchen Schneewittchen und die sieben Zwerge zum ersten Mal wirklich durchdrang, sondern auch der Moment, in dem mir klar wurde, dass man Schuhbeutel tatsächlich dazu benutzt, um Schuhe hineinzutun und damit zu verreisen. Ich benutze Schuhbeutel für alles mögliche, aber Schuhe habe ich noch nie darin verstaut. In diesem Schuhbeutel bewahre ich beispielsweise meine Wäscheklammern sowie eine Ersatzwäscheleine auf:


Im folgenden Beutel befinden sich verschiedene Beautytools und -devices elektrischer Natur. Von Schuhen keine Spur!


Wenn ich Proviant zur Arbeit mitnehme, dann transportiere ich meine Vesperbox in diesem lila Beutel:


In diesem Herrenschuhbeutel finden sich  - weil Abba draufsteht - neben dem Ladekabel für mein Mobiltelefon Kopfhörer in verschiedenen Größen und Ausführungen. Warum auch nicht.


Die nächsten beiden Beutel müssen noch ihrer Bestimmung zugeführt werden. Vielleicht Schnürsenkel in den einen und Haarbürsten in den anderen? Ich habe irgendwo mal gelesen – und das will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen –, dass man Haarbürsten immer in einem Stoffsäckchen aufbewahren muss, um sie vor dem Einstauben zu schützen. Dann muss ich zumindest nicht mehr jeden Morgen beim Haarebürsten daran denken, dass Bürsten eigentlich in einen Stoffbeutel gehören!



Bei diesem Riesensack handelt es sich natürlich nicht um einen Schuhbeutel, sondern um eine sogenannte dust bag für Handtaschen. Inhalt: Sachen, die geflickt werden müssen.


Was aus dem Louis-Vuitton-Schuhbeutel geworden ist, weiß ich leider nicht. Ich habe ihn einfach hinter dem Vorhang liegenlassen, bin freitags nach Berlin gefahren und als ich sonntags zurückkam, war er verschwunden.

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17. Oktober 2014

Do It Yourself

Nicht, dass ich mit meiner Ungeschicklichkeit kokettieren möchte, aber wie es mir neulich nicht gelang, das Rücklicht meines Fahrrads selbst zu reparieren, will ich Euch doch erzählen.

Am Sonntagabend auf dem Nachhauseweg von einer Radtour bemerkte ich, dass mein Rücklicht nicht mehr funktioniert. Das kommt vor, sagte ich mir, da muss ich mir wohl ein neues Rücklicht kaufen! Am Montagmorgen stellte ich mir etwas Werkzeug zusammen, stopfte es in eine dieser kleinen dm-Plastiktüten, welche ich wiederum Matroschka-mäßig in meine Fahrradtasche warf. Der Plan war: Pünktlich Feierabend machen, auf dem Nachhauseweg das neue Rücklicht kaufen, sofort installieren, um so bei Einbruch der Dunkelheit mit Licht weiterfahren zu können. Und so geschah es auch: Rein in den Radladen, Licht gekauft, raus aus dem Radladen, um im goldenen Glanz der herbstlichen Abendsonne mein neues Rücklicht ranzumontieren. Wie Queen Elisabeth fühlte ich mich, als sie seinerzeit im Zweiten Weltkrieg als KFZ-Mechanikerin Lastwagen reparierte! An meinen Händen befand sich Schmieröl.


Allein, es taten sich Widerstände auf. Ich konnte nämlich die Steckkontakte nicht finden, an die ich die beiden kleinen Kabel anschließen musste, die aus dem Nabendynamo im Vorderrad über das Vorderlicht durch den Rahmen und unter dem Schutzblech des Hinterrads hindurch die Verbindung zum Rücklicht herstellen. Ich konnte sie einfach nicht finden! Etwas unleidlich, aber mit dem Ersatzplan, am nächsten Tag die Kollegen aus der IT-Abteilung um Hilfe zu bitten, fuhr ich heim. Die müssen das wissen, die haben ja den ganzen Tag mit Kabeln zu tun.


Am nächsten Morgen berichtete ich am Fahrradstellplatz meiner Arbeitsstätte einer Kollegin von meinem Problem. „Liebe Rosine“, klärte mich die Kollegin nach einem kurzen Blick auf das Rücklicht auf, „da kannst Du lange nach den Kontakten suchen, das ist ein batteriebetriebenes Rücklicht, keins für einen Dynamo!“ Da stand ich nun in meiner Barbourjacke und schämte mich wegen meiner Queen-Elisabeth-Assoziation. Abends schlich ich mich unauffällig in den Fahrradladen, um möglichst unbemerkt das richtige Rücklicht zu kaufen. Die befürchtete Bloßstellung durch den Verkäufer („Warst Du nicht gestern schon mal da und hast das gleiche Licht nur für Batterie jekauft? Haste Dir wohl vergriffen, wa? Zu blöd zum Licht kaufen, wa?“) blieb zum Glück aus und auch das Montieren des Rücklichts war kein Hexenwerk, sondern geradezu ein Kinderspiel. Nur: Der Scheiß wollte trotzdem nicht funktionieren.

Schuhe: Marni

Ich mache es kurz: Wegen Arbeitsverdichtung gelange es mir am nächsten Tag nicht (es war mittlerweile Mittwoch) einen Kollegen zu bitten, sich den Mist mal anzuschauen. Also fuhr ich abends zu Karstadt am Hermannplatz – ein weiterer Besuch im Radladen stand nicht zur Debatte – um dort zumindest Batterien für das falsche Rücklicht zu kaufen. Auf dem Karstadt-Fahrradparkplatz stellte sich dann heraus, dass ich die verkehrten Batterien erworben hatte (zu klein). Wichtige atmosphärische Zusatzinfo: Es regnete in Strömen. Am nächsten Tag – Donnerstag, to whom it may concern – fand mein Kollege schließlich heraus, dass nicht mein Rücklicht, sondern ein Kontakt zwischen dem Vorderlicht und dem Kabel, das das Vorderlicht mit dem Rücklicht verbindet, kaputt war. Nun hatte ich wenigstens eine Diagnose! Ich hatte Klarheit! Nach Feierabend kaufte ich mir die passenden Batterien und fuhr halb Fisch, halb Fleisch nachhause. Das Reparieren des Kontaktes und das Anschließen des richtigen Rücklichts werde ich nun Fachleuten überlassen. Man soll auch nicht immer alles selbstmachen! DIY ja, aber doch bitte im Rahmen! Bzw. im Fahrradrahmen für alle Kalauer-Liebhaber.

Auch wenn mir die Reparatur meines Rücklichts nicht gelang, so gibt es doch auch Erfolge zu berichten: Das Hinzufügen dieser schönen Treter zu meiner Schuhsammlung hat nämlich ganz problemlos funktioniert!


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28. September 2014

Beauty Regime

Immer nur über Mode, Klamotten und Fashion schreiben ist doch langweilig! Deswegen soll es heute einmal um etwas ganz anderes gehen, nämlich um Schminksachen und Beautyprodukte – genauer gesagt um mein tägliches beauty regime. Dass der Begriff beauty regime so viel wie tägliche Gesichtspflege bedeutet, muss ich Euch nicht erklären, und klar, man könnte sagen, Anglizismen sind ein no-go, aber was soll ich machen? Das heißt nun einmal beauty regime heutzutage und egal, ob beauty regime oder Schönheitsherrschaft, es handelt sich um ein Regime, dem ich mich freiwillig, willfährig und liebend gern unterordne. Schließlich habe ich diese Diktatur selbst installiert bzw. frei gewählt!

Mein tägliches beauty regime wird von folgenden vier Säulen getragen: Hightech – Hipness – Naturkosmetik – Lisa Eldridge [Abbildung 1].

Abbildung 1: Rosines beauty regime

Wie ihr dem Schaubild entnehmen könnt, findet zwischen den einzelnen Säulen ein reger Austausch statt und oftmals sind sie nicht ganz eindeutig voneinander abgrenzbar. So ist beispielsweise alles, was Lisa Eldridge macht, binnen kurzem hip und selbstverständlich bedient sich die Abteilung Hightech oft in der Abteilung Naturkosmetik (selten andersherum). Entscheidend ist, dass die Schönheitsherrschaft, der man sich unterwirft, exakt den eigenen Bedürfnissen angepasst wird. Die Abteilung Hipness beispielsweise sollte niemals zu hip sein! Besser ist es, Produkte zu verwenden, die derzeit noch völlig unangesagt sind, aber das Potential haben, demnächst enorm hip zu werden. Ein Beispiel: Jetzt, wo sich wirklich tout le monde mit der oil cleansing method (OCM) das Gesicht reinigt, habe ich diese Vorgehensweise aus meinen beauty regime hinausgeworfen und stattdessen die Rhassoul-Methode eingesetzt. Rhassoul ist marokkanische Lavaerde, ein grünlich-braunes Pulver, das mit Wasser angerührt einen dunkelbraunen Brei ergibt, den man sich sorgfältig ins Gesicht klatscht oder schmiert und mit lauwarmem Wasser abspült [Abbildung 2]. Hat natürlich nichts mit Lava zu tun, sondern mit lateinisch lavare, waschen – Wascherde also. Rhassoul befindet sich derzeit noch in der Kategorie Naturkosmetik, könnte aber bald in die Kategorie Hipness hinüberrutschen, zum Beispiel, wenn Lisa Eldridge in einem ihrer Videos Rhassoul-Reinigung für gut befindet.

Abbildung 2: Rhassoul

Das Gute an Rhassoul ist, dass es das Gesicht sehr sauber und das Waschbecken und die Handtücher sehr schmutzig macht – vorausgesetzt, die persönliche Definition von „gut“ umfasst schmutzige Waschbecken und schmutzige Handtücher, was auf mich nicht zutrifft. Aus diesem Grund habe ich mir zur Gesichtsabtrocknung einen Stapel hübscher kleiner Seiftücher in Dunkelgrün zugelegt, 30 mal 30 Zentimeter große Miniatur- oder Cocktail-Handtücher (nicht zu verwechseln mit Gästehandtüchern), die man nach ein-, zweimaligem Gebrauch in die Wäsche schmeißt [Abbildung 3].

Abbildung 3: Seiftücher dunkelgrün, 30x30 cm, gefaltet

Entre nous: Ich hatte bis vor dem Kauf oben genannter Seiftücher nur eine ganz vage Vorstellung davon, was Seiftücher genau sind, muss aber nun im Internet lesen, Seiftücher hätten „auch heute noch in jedem Bad den Status eines unverzichtbaren Utensils“ und dienten „dem intensiven Einseifen des Körpers […], um einen möglichst hohen Hygienestandard sicherzustellen“. Stimmt das? Könnt Ihr das bestätigen? Habt Ihr alle stapelweise Seiftücher zuhause herumliegen? Um Euch damit einzuseifen? Oder zumindest das Gesicht abzutrocknen? Bin ich etwa die einzige, die erst seit Kurzem Seiftücher besitzt?

Übrigens füge ich meiner Rhassoulpampe immer ein paar Tropfen Arganöl hinzu, wegen der Anti-Aging-Wirkung. Wobei man heutzutage ja nicht mehr anti-aging sagt, sondern irgendwie anders. Anti-aging klingt so verzweifelt! „Age smart“ beispielsweise nennt sich die entsprechende Produktlinie einer Hightech-Kosmetikmarke, die ich benutze, und die mir im KaDeWe von Amazonen in weißen Arztkitteln für ein Heidengeld vertickt wird. Diese sogenannten Cosmeceuticals, ein Portmanteau aus cosmetics und pharmaceuticals, suggerieren, sie enthielten medizinisch wirksame Stoffe – was sie ja vielleicht, eventuell oder wahrscheinlich auch tun. Welche Stichwörter müssen hier genannt werden? Richtig, AHA (alpha hydroxy acid) und BHA (beta hydroxy acid). Weil zu viel Hightech und zu viel Chemie den Leuten jedoch Angst macht, enthalten die Cosmeceuticals oftmals auch einen Wirkstoff, der eigentlich in der Naturkosmetik verwendet wird. Arganöl zum Beispiel! Aber natürlich nicht das komplette Arganöl, sondern maximal die DNA von Arganöl oder die hochwirksame age-smart-Quintessenz von Arganöl. So kann man Hightech-Kosmetik verwenden und sich dennoch in einer Ahnenreihe mit sagen wir mal Kleopatra fühlen, die ja – da bin ich mir ziemlich sicher – Arganöl zur Schönheitspflege benutzt hat. Kleopatra next level gewissermaßen.

Zur Abrundung schaut Ihr Euch bitte noch zwei Klassiker des beauty-regime-Videos an, und zwar einmal Lisa Eldriges Make-Up Removal und zum anderen, ebenfalls von Lisa Eldridge, My Beauty Regime On Long Haul Flights.

Wir sehen uns!

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27. Juli 2014

Paninaro

Wetten, Ihr wisst nicht, was sich hinter dem Begriff Paninaro verbirgt? Bei Paninaro handelt es sich um einen italienischen Streetstyle der frühen Achtzigerjahre, der mit dem deutschen Popper- und dem amerikanischen Preppy-Stil der damaligen Zeit nur unzureichend beschrieben werden kann!

Die Quintessenz des Paninaro-Stils bestand aus Jeans in eher heller Waschung, die relativ weit hochgekrempelt waren, damit man die wirklich unverzichtbaren Burlington-Socken sehen konnte. Entweder Burlington-Socken oder keine Socken, das war die Devise! Schuhtechnisch trug man Timberlands und zwar entweder die Bootsschuhe oder die knöchelhohen Schnürboots. Dazu ein Hemd oder eine Bluse, darüber ein Sweatshirt von Best Company oder einen um die Schultern gelegten Strickpulli mit Rundhalsausschnitt in rot oder vielleicht dunkelblau sowie gegebenenfalls eine Moncler-Daunenjacke. Paninaro war quasi ein Über-Stereotyp des klassischen italienischen Freizeit-Stils.

Bilder sind aus dem Internet zusammengeklaut. Urheberschaft unklar. Obwohl alle Paninaro-Insignien auf den Bildern vertreten sind, sehen die jungen Leute seltsam jetztzeitig aus. Gibt es in Italien etwa ein movimento neo paninaro?

Ich kenne mich in dem Metier übrigens deswegen so gut aus, weil ich mich in den frühen und den Mittachtzigern in Sachen Schüleraustausch das ein oder andere Mal in einer süditalienischen, genauer apulischen Kleinstadt aufhielt, wo ich mit zahlreichen Paninari zusammentraf. Roberta Q. beispielsweise war eine entschiedene Paninaro-Anhängerin und hatte ihr Zimmer mit Wham!-Plakaten tapeziert – George Michael und Andrew Ridgeley von Wham! waren neben den Mitgliedern von Duran Duran die Stilvorbilder der Paninari.

Ein anderes Mal war ich bei Ilaria Z. zu Gast, deren Freund ein Moto hatte. Bei uns hießen die Dinger Enduro oder Achtziger (bzw. Achtzger, ich komme aus Süddeutschland) und sahen ein bisschen so aus wie Geländemaschinen. Natürlich wurden in den Achtzigern in Italien nach wie vor Vespas gefahren, aber die Paninari fuhren Moto. Ilaria Z. konnte zum Glück einen anderen Typen organisieren, der ebenfalls ein Moto hatte, und so heizten wir zu viert durch die süditalienische Kleinstadt mit um die Schulter gelegten Pullis und ohne Helm. Helm tragen war seinerzeit per Gesetz verboten in Italien, glaube ich, denn man kann mit Helm unmöglich bella figura machen, was ja wiederum eine Art Grundrecht, aber auch ein Grundgesetz ist in Italien.

Meine Schulfreundinnen und ich fanden den Paninaro-Stil echt stark und haben jedesmal aufs Neue versucht, ihn aus der süditalienischen in die süddeutsche Kleinstadt zu transferieren, was uns aber natürlich nicht gelang. Grund: Überall außerhalb Italiens sehen um die Schulter gelegte Pullis einfach Panne aus! Geblieben aus dieser Zeit ist mir aber noch ein Haaruntensil. Man kann das nicht mehr richtig sehen, aber da stand mal Fiorucci drauf! Fiorucci!! Ihr wisst Bescheid, oder?

Eine Haarspange von Fiorucci muss man erst mal haben

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19. Juli 2014

Unendlicher Blusenspaß

Neulich in Mitte, Arbeit. Es war Freitag, es war sehr heiß und ich trug – anders als sonst – keine Bluse, sondern lediglich ein weißes T-Shirt zu meinem Rock. Großer Fehler! Ich lief den ganzen Tagen mit dem unangenehmen Gefühl durch die Gegend, nicht richtig angezogen zu sein, ja, in Unterwäsche herumzulaufen.

gelb/weiß-gestreifte Bluse: Caliban

Was wahrscheinlich daran lag, dass weiße T-Shirts für mich in der Tat in die Kategorie Unterwäsche gehören beziehungsweise mir als Scharnier, als Bindeglied zwischen Unterwäsche und Oberbekleidung dienen: Erst kommt die Unterwäsche mit allen dazugehörigen Items – ausschließlich weiß –, darüber ein weißes T-Shirt und dann die jeweilige Oberbekleidung.

Bluse mit stilisiertem Stadtplan von Paris: Carven

Unterwäsche sollte immer weiß sein, finde ich, aber natürlich darf und soll jede und jeder die Unterwäsche tragen, die ihm/ihr gefällt. Meine Nachbarin zum Beispiel, die ich gerade eben vom Balkon aus beim Wäscheaufhängen beobachte, trägt ausschließlich schwarze Unterwäsche, das kann ich mit einiger, wenn nicht gar hundertprozentiger Sicherheit sagen.

Bluse mit großen weißen Punkten: Nora von Mendelssohn

Es ist allerdings auch nicht so, dass ich ausschließlich Blusen trage, ich trage nur fast ausschließlich Blusen! Mein weißes Goethe-T-Shirt beispielsweise, das ich durch Aufbügeln der ersten Verse eines Goethe-Gedichtes aus der Kategorie Unterwäsche in die Kategorie Oberbekleidung transferiert habe, ziehe ich recht oft an, weil sich in ihm Bildungsbürgertum und edgy- beziehungsweise whimsy-ness vereinen, eine Kombo, die man auch nicht alle Tage trifft!

Bluse mit kleinen weißen Punkten: Milano

Aber es stimmt schon, ich liebe Blusen. Die fünf Neuzugänge in meiner Sammlung seht Ihr hier. Unendlicher Blusenspaß here we go! Im Hintergrund: Ein Kachelofen aus der guten alten Zeit.

Bluse mit Blumen: Seidensticker

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9. Juni 2014

Frau Wallner

Wenn ich einmal alt bin, möchte ich eine feine alte Dame sein. Das ist eines meiner erklärten Lebensziele. Stellt Euch eine Mischung aus der Queen und Ruth Gordon alias Abigail Mitchell in der Columbo-Folge „Try and catch me“ vor – so möchte ich einmal aussehen, wenn ich alt bin!

Ruth Gordon alias Abigail Mitchell elegant im dunkelblauen Seidenmoirékleid

In Wien, wo ich das Glück habe, mich regelmäßig aufhalten zu dürfen, bevölkern zahlreiche dieser feinen alten Damen bei einer Mehlspeis und einem kleinen Braunen die Kaffeehäuser. Man freut sich fast ein bisschen darauf, einmal 70 oder 75 oder gar noch älter zu sein, wenn man sie da so herumsitzen und manchmal auch herumdämmern sieht, die feinen alten Damen.

Ruth Gordon alias Abigail Mitchell maritim beim Strandspaziergang


Als ich letztens im Café Landtmann im ersten Bezirk war, bin ich mit Frau Wallner ins Gespräch gekommen, einer feinen, möglicherweise bereits leicht verwirrten alten Dame, die, so schien es mir, ein nicht gerade seltener Gast im Landtmann ist: "Grüß Sie Gott, Frau Wallner!", "Küß die Hand, Frau Wallner!" – so ging es ohne Unterlass, während Frau Wallner mir erzählte, dass sie früher Damenoberbekleidung verkauft und drei eigene Geschäfte gehabt habe, eines davon auf der Mariahilfer Straße.

Ruth Gordon alias Abigail Mitchell im karierten Mantelkleid

Da ich persönlich es sehr interessant finde, wenn jemand einmal drei Damenoberbekleidungsgeschäfte besessen hat, war es auch nicht weiter schlimm, dass Frau Wallner mir diese Geschichte ungefähr viermal erzählte. Ich erfuhr außerdem, dass ihr soeben ein Knopf von ihrem eleganten, dunkelblauen Kostüm abgesprungen sei („I bin stärker gworn“) und dass es die besten Semmelbrösel beim Anker gibt. Schauens, wenn man Semmelbrösel kauft, dann nur die vom Anker, dös san die besten.

Ruth Gordon alias Abigail Mitchell klassisch im kleinen Schwarzen

Was ich Frau Wallner nicht erzählt habe: Tags zuvor hatte ich mir fast die Hufe abgelaufen, nur um einen Strudelteig vom Anker zu bekommen. Wenn man schon Strudelteig kauft, um ihn mit nach Deutschland zu nehmen, dann nur den vom Anker! Ich fürchte allerdings, der Anker hat den Strudelteig aus dem Programm genommen – hoffentlich hat er wenigstens noch die Semmelbrösel im Sortiment.


Sportlich beim Morgenspaziergang
am Pier oder Dock oder Kai oder wie das heißt


Eine chaneleske Mantel-Kleid-Kombination darf
im Kleiderschrank einer feinen alten Dame nicht fehlen
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31. Mai 2014

Kleiderbügel

Kleiderbügel! Wer liebt sie nicht? Zunächst möchte ich jedoch über ein anderes, mit den Kleiderbügeln eng verwandtes Thema sprechen: Kleidermotten. Ich will nicht sagen, dass ich Motten hasse, das nicht, eher fühle ich mich ihnen hilflos ausgeliefert. Manchmal schrecke ich nachts schweißgebadet aus dem Schlaf hoch, voller Sorge, Motten könnten meine wertvollen Kaschmirpullis aufessen. Da hilft es mir auch nicht weiter, dass Motten bereits in altassyrischen Keilschrifttexten erwähnt werden und somit zu den ältesten Begleitern des Menschen gehören. Tradition ja, aber bitte mit Augenmaß!


Bevor ich nun endlich zu unserem eigentlichen Topic, den Kleiderbügeln, komme, ganz kurz noch etwas zum Thema Kleiderschränke. Ich kannte einmal eine Person, deren erklärtes Lebensziel es war, einen begehbaren Kleiderschrank zu besitzen, und auch ich habe, als sich mir die Möglichkeit bot, zugegriffen und mir einen begehbaren Kleiderschrank zugelegt beziehungsweise ein Ankleidezimmer eingerichtet. Es schadet nichts, habe ich mir gedacht – auch und gerade als heimliche Fashionbloggerin – einen begehbaren Kleiderschrank im Portfolio zu haben. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht unerwähnt lassen, dass Motten begehbare Kleiderschränke als eine Art Einladung zur Selbstbedienung auffassen.


Doch nun zurück zu den Kleiderbügeln. Vorab möchte ich allerdings folgendes zur Diskussion stellen: Wenn bald tout le monde nur noch Billigstrickpullis aus Polyester von Primark kauft, wovon werden sich die Motten dann ernähren? Werden Motten bald vom Aussterben bedroht sein? Oder gehören Motten doch zu diesen irre anpassungsfähigen Viechern wie beispielsweise Ratten und Krähen? Werden sie ihrem Ruf als evolutionärem Erfolgsmodell gerecht und stellen einfach ihre Ernährung um? Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass sich manche Motten bereits an Pullis heranmachen, die aus 50% Wolle und 50% Kunstfaser bestehen. Verrückte Welt!


Aber wir wollten ja eigentlich über Kleiderbügel sprechen, sorry! Ganz kurz muss ich jedoch noch dies dazwischenschieben: Wenn man eine Motte zwischen den Fingern zerquetscht, bleibt nichts anderes übrig als hauchfeiner, goldfarbener Staub. Das nur als kleiner Hinweis an alle Alchemistinnen und Alchemisten unter meinen Lesern – versucht doch mal aus Motten anstatt aus Stroh Gold herzustellen, wer weiß!


Was ich aber eigentlich sagen wollte: Alte Kleiderbügel mit Aufschriften wirken enorm fantasieanregend auf mich und triggern in meinem Kopf ganze Familiengeschichten, -epen und -tragödien, und zwar in Isabel Allendeschem Ausmaße. Geht es Euch ähnlich?


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13. April 2014

Die Fete geht weiter

Da will ich einmal am Puls der Zeit sein und ganz schnell über den allerneusten Trend #Normcore berichten – und nicht wie sonst immer erst dreißig Jahre später, wenn ein Trend erneut ausgegraben wird – verreise dann allerdings ein paar Tage, nur um zurückzukommen und feststellen zu müssen, dass sich die ganze Aufregung um diesen neuen Trend schon wieder gelegt hat.

Mittlerweile ist es auch egal, dass keiner genau weiß, was es eigentlich mit Normcore auf sich hat. Dass man sich nicht mehr individuell, sondern ganz normal anziehe, das sei Normcore, kann man im Netz lesen. Anderswo heißt es, Normcore bedeute, sich wie ein amerikanischer Tourist zu kleiden in Fleecejacke, T-Shirt, ganz normalen Jeans und irgendwelchen Turnschuhen. Überhaupt: Ganz normale Jeans-Sachen scheinen für eine korrekte Umsetzung von Normcore essentiell zu sein! Das Aufgehen in der Masse sei das Ziel bei diesem neuen Trend und der Patenonkel aller Normcore-Anhänger sei Steve Jobs, der ja nie etwas anderes trug als einen schwarzen Rollkragenpulli, ganz normale Jeans und irgendwelche Laufschuhe. Normcore halt!


Ich möchte allerdings folgendes festhalten: Wenn ich jetzt anfinge, mich wie Steve Jobs zu kleiden, könnte ich das mit dem Verschwinden in der Masse gleich vergessen, denn niemand, absolut niemand in meinem Umfeld kleidet sich wie Steve Jobs! Wie siehst Du denn aus, Rosine, krass, was geht denn bei Dir ab – das wären in etwa die Reaktionen, wenn ich ab morgen im Steve-Jobs-Normcore-Look durch die Gegend spazieren täte. Von wegen ganz normal! Was für den einen Normcore, ist für den anderen (in diesem Fall also mich) Abnormcore. Irgendwie funktioniert dieses Normcore-Konzept nicht.


Was auch immer man also unter diesem Begriff versteht, die schönste Interpretation von Normcore bietet für meinen Geschmack Sophie Marceau alias Victoire „Vic“ Beretton in den beiden La Boum-Filmen. Schon damals, Anfang der Achtziger, nachdem ich die beiden Filme gesehen hatte, dachte ich mir, was für ein normaler, aber doch irgendwie ganz hübscher Look. Kann ich mich genau dran erinnern, dass ich das gedacht habe.


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23. März 2014

For Your Eyes Only

Warum ist es noch mal gut, sich anti-zyklisch zu verhalten? Vor einigen Jahren, ich glaube so um die Jahrtausendwende herum, konnte man das überall lesen. Ob bei der Studienwahl oder beim Spekulieren an der Börse, wenn man nicht anti-zyklisch agiert, kann man gleich alles vergessen und endet als Modernisierungsverlierer. Ist das immer noch so? Gilt das noch? Wenn ja, möchte ich heute einmal ganz anti-zyklisch über James Bond reden: Der letzte Bond-Film, „Skyfall“, ist ja schon wieder Schnee von gestern und der nächste kommt erst im Herbst 2015 in die Kinos. Niemand redet derzeit über James Bond, ich allerdings schon. Anti-zyklisch is the key!

Stand der Dinge: Das Drehbuch für den vierundzwanzigsten 007 ist wohl fertig, Sam Mendes soll erneut Regie führen und angeblich wurde Penélope Cruz als Bond-Girl angefragt, die ja mit Javier Bardem verheiratet ist, der im letzten Bond den Bösewicht gespielt hat (beziehungsweise den Bond-Villain, wie wir Double-O-Seven-Experten sagen). Penélope Cruz wäre übrigens mit ihren 40 Jahren das älteste Bond-Girl aller Zeiten, aber da 50 ja das neue 30 ist, ist sie mit genaugenommen also 20 Jahren im perfekten Bond-Girl-Alter.

Ms Büro in "For Your Eyes Only"/"In tödlicher Mission". Säuregrün an der Wand und vier schicke Telefone auf dem Tisch. Das vordere zählt nicht, das ist nur ein Hausapparat, glaube ich.

Völlig offen ist indes die Frage nach dem Bond-Gegenspieler. Wer soll diese Rolle im neuen James-Bond-Film übernehmen? Die besten Bond-Bösen werden von Deutschen gespielt, so viel steht schon mal fest (oder natürlich von Österreichern als so eine Art Ersatz-Deutsche) – man denke hier bitte an Gert Fröbe als Auric Goldfinger in „Goldfinger“, Curd Jürgens als Karl Stromberg in „Der Spion, der mich liebte“ sowie Lotte Lenya als Rosa Klebb in „Liebesgrüße aus Moskau“. Und nicht zu vergessen: Klaus Maria Brandauer als Maximilian Largo in dem nicht autorisierten „Feuerball“-Remake „Sag niemals nie“. Diese Reihe, Lotte Lenya – Gert Fröbe – Curd Jürgens – Klaus Maria Brandauer, kann eigentlich nur eine logische Fortsetzung haben, nämlich Christoph Waltz. Auf den ersten Blick! Denn so sehr ich Christoph Waltz als Bond-Bösewicht begrüßen würde, scheint mir diese Besetzung fast schon ein bisschen zu auf der Hand liegend, zu mainstreamig, und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es nur einen geben kann, der den nächsten Bond-Gegenspieler adäquat verkörpern kann: Helge Schneider.

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3. März 2014

Comme Comme

Zum Glück ist die Gefahr, dass ich jemals über einen roten Teppich spazieren muss, relativ gering und ich hoffe schwer, dass das auch so bleibt, denn ich kann Abendmode nicht leiden. Ich möchte nicht direkt sagen, ich hasse Abendmode, zumindest nicht so sehr wie Open-Air-Festival-Mode, aber ich kann mit Kleidung für bestimmte Anlässe einfach nichts anfangen, ausgenommen vielleicht Sportklamotten und Nachtwäsche.

Ich mag Alltägliches, Adrettes und Hochgeschlossenes wie es Comme Des Garçons Comme Des Garçons (von Insidern gern Comme Comme genannt) in der Herbst/Winter-2014-Kollektion zeigt. I smell adrettness with a twist!

Comme Comme ist die Zweitlinie von Comme Des Garçons und Zweitlinien sind allein deswegen gut, weil man bei ihnen meist von scheußlicher Abendmode verschont bleibt. Während die Hauptlinie Comme Des Garçons allein dafür da ist, den Leuten immer wieder zu verklickern, dass es sich bei Comme Des Garçons um absolute Avantgarde handelt und die Shows, wie es bei Searching for Style auf den Punkt gebracht wird, hauptsächlich dazu dienen „... [to] sell more perfume and wallets …“ (auch ich habe einen Comme-Des-Garçons-Geldbeutel), ist die Zweitlinie Comme Comme natürlich mehr als nur die Abwesenheit von Abendkleidern. Die Zweitlinie Comme Comme ist total toll! Zumindest das, was für den Herbst/Winter 2014 vorgesehen ist:


Mal abgesehen von den putzigen Anzügen - die gelben Schuhe sind auch recht schick!

Bitte achtet auf die roten Pfeile!

Zu diesen beiden Blusen muss man wohl kaum etwas sagen.

So hübsch bzw. très très jolie. Und mir scheint, nächsten Winter sind endlich mal wieder Augenringe gefragt – damit kann ich dienen!

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