20. Oktober 2019

Die Schubertring-Gräfin

Es ist ja so mit dem Internet: Den ganzen negativen Scheiß, den ganzen Hass nimmt man nur in Kauf, weil das Internet grundsätzlich eine hervorragende Sache ist und viele witzige und informative Dinge drin stehen. Geht diese Gleichung nicht mehr auf – beispielsweise wenn ich ein bestimmte Information NICHT im Internet finde – fühle ich mich persönlich betrogen. Richtig wütend werde ich da.

Nehmen wir die Schubertring-Gräfin. Nichts, Nullkommanichts findet sich im Internet zur Schubertring-Gräfin. Dabei soll sie laut Peter Yorks „The Official Sloane Ranger Handbook“ von 1982 das Wiener Pendant zu den Londoner Sloane Rangers gewesen sein:

Official Sloane Ranger Handbook

Ich flippe aus, wenn ich nicht demnächst erfahre, wie die Wiener Version des Sloane-Ranger-Looks ausgesehen hat, wo die Schubertring-Gräfinnen abends in Wien hingegangen sind, in welchen Kaffeehäusern sie herumsaßen, wo sie eingekauft und was sie sonst so gemacht haben. Und überhaupt: Der Schubertring ist nur ein kleiner Teil des Rings, zwischen Stadtpark und Schwarzenbergplatz – was hat sich dort abgespielt in den frühen Achtzigern? Und woher hatte Peter York diese Insiderinformationen? Internet gab es damals ja noch nicht. Und über das Schubertring-Gräfinnen-Phänomen steht ja eh nichts drin.

Stadtplan Wien Schubertring

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9. September 2019

Chain Belt Reaction

Der am dritthäufigst gelesene Eintrag auf diesem Blog stammt aus dem Jahre 2010 und hat den Titel „Gürtel vergessen“. Monat für Monat, Jahr für Jahr kommen Leute auf meine Seite, weil sie verzweifelt gürtel vergessen bei Google eintippen und die weltberühmte Suchmaschine meinen „Gürtel vergessen“-Blogeintrag an dritter Stelle anzeigt. Offensichtlich ist das Gürtel-vergess-Phänomen sehr weit verbreitet. Allerdings geht es in meinem mittlerweile heillos veralteten Blogeintrag nur vordergründig um das Thema „Gürtel vergessen“.

In Wirklichkeit markiert der Blogeintrag den Wechsel von den Nullerjahren zu den Zehnerjahren. Nachdem ich nämlich an diesem 25. Oktober 2010 vergessen hatte, einen Gürtel anzuziehen, habe ich auch nie wieder einen getragen. Oder fast nie wieder. Die Zehnerjahre waren das Jahrzehnt, in dem Gürtel von meiner Bildfläche verschwunden sind. Und ich vermute, ich habe mich damit im Gleichklang mit den großen Linien der Modegeschichte bewegt. Oder haben Gürtel – abgesehen von dem Gucci-GG-Logo-Gürtel-Hype vor zwei, drei Jahren – irgendeine Rolle in den Zehnerjahren gespielt?

Nun neigt sich auch diese Dekade dem Ende zu; steht uns also ein erneuter Paradigmenwechsel in Sachen Gürtel bevor? Schon möglich, Lady! Zumindest habe ich gestern völlig gebannt zweimal hintereinander Trinny Woodalls Gürtel-Video auf Youtube angeschaut und möchte jetzt Gürtel tragen. Aber nicht irgendeinen Gürtel, sondern einen dieser Chain Belts, die Chanel dauerhaft und schon immer im Sortiment hat.

Chanel chainbelt chain belt Kettengürtel
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7. August 2019

Ringe und Zähne

I don't do rings! Nicht, dass es mir nicht gefällt, wenn jemand Ringe, viele Ringe trägt – im Gegenteil, ich finde es wunderschön – aber ich bin einfach kein Ring-Typ. Ich bin ein Bequemlichkeits-Typ und Ringe sind sehr unbequem. Trage ich doch mal welche, ziehe ich sie spätestens beim ersten Händewaschen aus und stopfe sie, wenn es gut läuft, in meine Hosentasche.


Wie viele Ringe habe ich schon verloren, weil ich sie auf Seifenspendern in Restaurants oder ICE-Toiletten abgelegt und nach drei Sekunden vergessen habe, dass ich jemals welche besaß!


Nun habe ich den genialen Tipp bekommen, den Ring während des Händewaschens zwischen den Zähnen festzuhalten. Nie wieder einen Ring irgendwo liegen lassen! Und sollte ich alle fünf Ringe, die ich besitze, auf einmal tragen, kann ich die theoretisch alle in meinem Mund unterbringen. Aber was ist mit den Leuten, die sehr viele Ringe tragen? Wie viele Ringe passen in einen Mund?

Die Ringe von Alessandro Michele

Wie schafft es beispielsweise Alessandro Michele, Kreativdirektor bei Gucci, Herr der Ringe und ringleader of the world, keine Ringe zu verlieren? Ich frage mich das wirklich!

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22. Juli 2019

Phoebe Philos neuer Job

Es ist ruhig geworden um Phoebe Philo, seit Ende 2017 bekannt wurde, dass sie ihren Posten als Krativdirektorin bei Céline aufgibt. Und nicht nur um Phoebe Philo ist es ruhig geworden, es ist vor allem um die sogenannten Philophiles, ihre ihr kult-artig folgenden Anhänger*innen, ruhig geworden. Noch im Oktober 2018 gelang es den Philophiles, Hedi Slimane, den Nachfolger von Phoebe Philo bei Céline, zum meistgehassten Mann nicht der Welt, aber immerhin der Modewelt zu machen.

Nun hat Hedi Slimane im März 2019 eine von tout le monde de la mode für gut befundene zweite Kollektion für Céline präsentiert und jetzt haben die Philophiles keinen richtigen Gegner mehr. 1:0 für die Slimaniacs! Sogar auf dem Instagram-Account „Old Céline“, auf dem der Phoebe-Philo-Céline-Ära gehuldigt wird, tut sich nichts mehr. Der letzte Post stammt vom 23. April 2019! Was ist los mit den Philophiles? Hat sich der Kult aufgelöst? Und was macht überhaupt die unfreiwillige Kultanführerin? Sie schweigt weiterhin.


Um nicht in Vergessenheit zu geraten, in der Versenkung zu verschwinden oder gar aus der Mode zu kommen, muss Phoebe Philo nun schleunigst aktiv werden! Warum nicht in Form einer Kooperation mit einer anderen ikonischen Marke? Beispielweise mit dem traditionsreichen Terminplanerhersteller Filofax? Es ist mir ein Rätsel, warum Philo und die Marketing-Fuzzis von Filofax da noch nicht selbst drauf gekommen sind: Phoebe Philo entwirft in ihrem berühmten minimalistischen Stil eine limitierte Auflage an unfassbar teuren Terminplanern und diese Terminplaner heißen nicht Filofax, sondern die heißen – ihr erratet es – Phoebe Filofax!


Das Phoebe-Philo-Narrativ besagt, Philos Entwürfe für Céline „were clothes designed for women like Philo – smart, savvy women who balance career, family, and a social life, all while looking impeccably low-key.“ Brauchen diese Frauen eine weitere Handtasche? Natürlich nicht. Die brauchen einen Terminplaner und zwar einen Phoebe Filofax!

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17. Juli 2018

Harlekine, Pierrots und Pantomimen

Ich habe ein heimliches Faible für Harlekine, Pierrots und Pantomimen und frage mich, warum dieses Rauten-Kragen-Leggings-Triumvirat zwar in der Kunst eine recht große, in der Mode aber so gut wie keine Rolle spielt.

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Ihren letzen großen Moment hatten Harlekine, Pierrots und Pantomimen in den Achtzigern: Sängerinnen trugen T-Shirts mit schwarz-weißem Rautenmuster, New-Wave-Cafés hießen Harlequin, ständig schaute man sich den Film „Kinder des Olymp“ an, der Flakon des Parfums, das mir meine italienische Gastschülerin mitbrachte, hatte die Form eines Pierrots, außerdem war ich Teil der Pantomime-AG, mit der wir es mit unseren schwarzen Ganzkörpergymnastikanzügen, den schwarzen Ballettschläppchen und unseren weißgeschminkten Gesichtern im Rahmen eines Jugendtheaterfestivals immerhin bis zu einem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle brachten. Stichwort Samy Molcho. Die New Romantics, so hießen die Waver im englischsprachigen Raum, schafften es in Form von Duran Duran, The Human League und Boy George bis in die Hitparaden. Referenzpunkt für alle New-Romantics-Stilfragen ist und bleibt aber „Fade To Grey“ von Visage.

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Meine Prognose: Die Zeit ist reif für die Rückkehr der Harlekine, der Pierrots und der Pantomimen. Warum? Erstens: New Wave/New Romantic ist eine der wenigen 80er-Jugendkulturen, die noch nicht in der Mode zitiert wurden (möglicherweise auch, weil Stilelemente der New Romantics von der Gothic-Szene aufgenommen wurden, die es ja immer noch gibt). Zweitens: Der Look war bis vor fünf Minuten noch total uncool; conditio sine qua non, um wieder hip zu werden. 
Meine These: Hedi Slimane bringt für Céline die New Romantics zurück. You heard it here first.

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10. September 2016

Meine Jeansstory

Vor 14 Tagen habe ich mir eine neue Jeans gekauft und sie seither jeden Tag getragen. Und Leute: Ich finde diese Jeans dermaßen schön, schön, schön, dass ich sie auch noch die kommenden 365 Tage tragen werde, non-stop. Selten war ich so verrückt nach einer Jeans – wenn ich zurückdenke, eigentlich nur zweimal in meinen Leben. Ich erinnere mich an das Jahr 1981 oder 1982, als ich meine erste richtige Jeans bekommen habe. Richtig bedeutete damals

a) die Jeans muss entweder von Levis oder Wrangler sein
b) die Jeans muss aus schwerem, dunklem Denim sein (mid waist, straight leg)
c) die Gehfalten in der Kniekehle müssen deutlich sichtbar und vor allem dauerhaft sein

Jeans, die diese Kriterien nicht erfüllten, waren keine Jeans, sondern allenfalls Jeanshosen, mitunter sogar mit Chemiefaseranteil und permanenter Bügelfalte. Mit meiner ersten richtigen Jeans habe ich plötzlich in einer anderen Liga gespielt, glaubt es mir. Dazu trug ich dunkelblaue Kickers (nicht die zum Schnüren, sondern die mit dem Stretcheinsatz an den Seiten und den Kreppsohlen) sowie meinen „University-Pulli“, ein dunkelblaues Sweatshirt, das auf der Vorderseite mit dem Emblem eines imaginären amerikanischen Colleges bedruckt und schon ziemlich verwaschen und spröde war; dadurch hatte es einen leichten, kaum wahrnehmbaren Lila-Einschlag. Ein extrem starkes Outfit, das ich genauso auch heute noch tragen würde.

Den zweiten krassen Jeansmoment hatte ich im Sommer 1986, es kann auch 1987 gewesen sein. Ich hatte einen Ferienjob bei einem inhabergeführten Mittelstandsunternehmen, das sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Berufsbekleidung befasste. Meine Hauptaufgabe bestand darin, lange schmale Stoffstreifen in eine Spezialnähmaschine zur Herstellung von Gürtelschlaufen zu schieben. Einmal sollte ich etwas vom Dachboden holen – mir stockte der Atem, als ich zwischen dem typischen Dachbodengerümpel eine Original Levis 501 fand, und zwar nicht irgendeine Levis 501, sondern eine „Big E“. Kennerinnen und Kenner der Jeansgeschichte wissen, dass der Levis-Schriftzug auf dem kleinen roten Etikett an der Gesäßtasche vor 1971 mit einem großen E geschrieben wurde. Bei allen Levis-Jeans, die nach 1971 hergestellt wurden, hatte der Schriftzug ein kleines e. Eine Levis 501 „Big E“ bekam man, wenn überhaupt, nur in der Garage, dem legendären 2nd-Hand-Laden in Berlin! Und hier lag direkt eine vor mir! Im genau richtigen Abgenutzt-und Verwaschenheitsgrad! Bei dem Teil handelte es sich definitiv um eine Jeans aus dem Privatbesitz des Inhabers des Unternehmens, Herrn Z. Wie oh wie nur könnte die Jeans in meinen Besitz gelangen? Ich konnte an nichts anderes mehr denken.

Links big E, rechts small e

An meinem letzten Arbeitstag fragte mich Herr Z., ob ich mir zum Abschied etwas aus dem Laden aussuchen möchte. Klar, man kann auch mit einem Blaumann einen guten Look stylen, aber ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte, dass ich gern die Dachboden-Levis hätte. Herr Z. war kurz irritiert, wies mich auf die extrem schwere Qualität der Hose hin und dann: Aber ja, natürlich, du darfst die Jeans mitnehmen! Leute, ich war glücklich.

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8. Mai 2016

Fendi Love

Seit einiger Zeit finde ich wirklich alles bombe, was Karl Lagerfeld für das römische Traditionshaus Fendi auf den Markt wirft. Alles! Und wenn ich mich auf Youtube und anderen Kanälen umschaue, wer Fendi sonst noch so toll findet, dann er- und verhärtet sich ein Verdacht in mir: Ich bin eine totale Tussi, eine Designerklamotten-Tussi. Oder, wie es Kreayshawn schon vor einigen Jahren formuliert hat, eine basic bitch„Gucci, Gucci, Louis, Louis, Fendi, Fendi, Prada, them basic bitches wear that shit …“. Der Fendi-Stil in knappen Wort zusammengefasst: Teuer, aber schräg – also genau mein Geschmack.

Zum Vergrößern fare doppio click

Natürlich spaziere auch ich nicht einfach so in den Fendi-Store im KaDeWe und kaufe mir eine Bluse für 1.200 Euro. Ich arbeite aber darauf zu. Bis dahin umkreise ich die bereits jetzt für mich erschwinglichen, abnehmbaren „Strap You“-Umhängegurte, die man an jeder Tasche befestigen kann. So schön! Und auch noch so praktisch:


Neulich hatte ich wieder mal eine nicht enden wollende, mehrtägige Kopfwehphase. In solchen Fällen mache ich mit mir selbst kleine Deals: Wenn es mir gelingt, noch weitere fünf Tage am Stück Kopfweh zu haben, darf ich mir am sechsten Tag einen Fendi-"Strap You"-Strap kaufen. No pain, no gain! Dieser Trick funktioniert immer – nach vier Tagen waren die Kopfschmerzen vorbei. Einerseits gut! Andererseits: Einen weiteren Tag Kopfweh hätte ich ja wohl mal noch aushalten können, dann wäre ich jetzt im Besitz eines Fendi-Umhängegurtes. Grummel.

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16. November 2014

Schuhbeutel

Vor ein paar Jahren hatte ich mal sechs Wochen lang in Frankfurt am Main zu tun. Sonntagabends fuhr ich mit dem Zug nach Frankfurt und freitagabends zurück nach Berlin. Gewohnt habe ich im Hotel. Netterweise haben mir die Hotelangestellten immer dasselbe Zimmer zugewiesen, sodass ich in diesen sechs Wochen ein gewisses Hotel-Heimatgefühl entwickelte. An einem der Sonntagabende entdeckte ich – also, das war wirklich total seltsam, ich packte gerade meine Sachen aus – hinter dem Vorhang meines Zimmers einen Schuhbeutel, einen einzelnen Louis-Vuitton-Schuhbeutel. Wer hatte am Wochenende in MEINEM Bettchen geschlafen???

Dies war nicht nur der Moment, in dem ich das Märchen Schneewittchen und die sieben Zwerge zum ersten Mal wirklich durchdrang, sondern auch der Moment, in dem mir klar wurde, dass man Schuhbeutel tatsächlich dazu benutzt, um Schuhe hineinzutun und damit zu verreisen. Ich benutze Schuhbeutel für alles mögliche, aber Schuhe habe ich noch nie darin verstaut. In diesem Schuhbeutel bewahre ich beispielsweise meine Wäscheklammern sowie eine Ersatzwäscheleine auf:


Im folgenden Beutel befinden sich verschiedene Beautytools und -devices elektrischer Natur. Von Schuhen keine Spur!


Wenn ich Proviant zur Arbeit mitnehme, dann transportiere ich meine Vesperbox in diesem lila Beutel:


In diesem Herrenschuhbeutel finden sich  - weil Abba draufsteht - neben dem Ladekabel für mein Mobiltelefon Kopfhörer in verschiedenen Größen und Ausführungen. Warum auch nicht.


Die nächsten beiden Beutel müssen noch ihrer Bestimmung zugeführt werden. Vielleicht Schnürsenkel in den einen und Haarbürsten in den anderen? Ich habe irgendwo mal gelesen – und das will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen –, dass man Haarbürsten immer in einem Stoffsäckchen aufbewahren muss, um sie vor dem Einstauben zu schützen. Dann muss ich zumindest nicht mehr jeden Morgen beim Haarebürsten daran denken, dass Bürsten eigentlich in einen Stoffbeutel gehören!



Bei diesem Riesensack handelt es sich natürlich nicht um einen Schuhbeutel, sondern um eine sogenannte dust bag für Handtaschen. Inhalt: Sachen, die geflickt werden müssen.


Was aus dem Louis-Vuitton-Schuhbeutel geworden ist, weiß ich leider nicht. Ich habe ihn einfach hinter dem Vorhang liegenlassen, bin freitags nach Berlin gefahren und als ich sonntags zurückkam, war er verschwunden.

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6. Februar 2014

Omelette norvegiénne

Ist es eigentlich pietätlos, darüber nachzudenken, was einmal mit dem Hause Chanel passieren wird, wenn Karl Lagerfeld tot ist? Wir alle wissen, dass der Ruhm von Chanel zu gleichen Teilen zwei Personen zuzuschreiben ist, nämlich Coco Chanel und Karl Lagerfeld, und auch wenn Lagerfeld ob all der visionären Sachen, ob all dieser Jetztzeitdinge, die er mühelos ohne Punkt und Komma hervorbringt, unsterblich wirkt, wird er einmal sterben und ich frage mich, ob von den Chanel-Verantwortlichen bereits Vorkehrungen für diesen Moment getroffen werden.

Gibt es geheime Meetings, in denen über mögliche Nachfolger gesprochen wird? Oder wenden sich die Chanel-Chefs mit dieser Frage ganz offen an Lagerfeld selbst: Karl, wer soll einmal Dein successeur werden? Wer, meinst Du, kann in Deine Fußstapfen treten? Welchen jungen Designer, welche Designerin sollen wir nach Deinem Tode verpflichten?

Möchte nicht jemand nach Paris in die Rue Irgendwas reisen, diese Frage für mich klären und eine zugleich traurige und amüsante Dokumentation über Karl Lagerfeld daraus basteln? Es kann ja überhaupt nicht genug Dokumentationen über Karl Lagerfeld geben! Besonders schön ist diese hier –  immer und immer wieder sehe ich sie mir an und zwar aus folgenden Grund: Man kann diese Dokumentation einfach nicht oft genug anschauen.

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19. Januar 2014

Yoko Ono

Seit ich vor ein paar Wochen auf einer Geburtstagsfeier nolens volens an einem Konzert von Madlick teilnahm, läuft bei mir nichts anderes mehr als „Hey Yoko Ono“:


Dieser Song war das Geburtstagsständchen von Madlick für Yoko Ono, als sie letztes Jahr in der Volksbühne ihren 80. Geburtstag feierte, wo ihr zahlreiche Musiker und Musikerinnen, Künstlerinnen und Künstler die Ehre erwiesen. Ob Yoko Ono dieses Lied manchmal auch privat hört? Zuhause? Vielleicht, wenn es ihr nicht so gut geht? Mental, meine ich. Denn immerhin gehört Yoko Ono zu den meistgehassten Frauen der Welt! Das habe ich im Internet gelesen.

Dass Yoko Ono sehr gehasst wird, kann man leicht herausfinden, dazu muss man nur die Kommentare unter den Youtube-Videos lesen, die irgendetwas mit Yoko Ono zu tun haben. Aber woher stammt die Information, sie gehöre zu den meistgehassten Frauen der Welt? Gibt es irgendwo eine zentrale Stelle, die Buch darüber führt, welche Frau weltweit gerade am allermeisten gehasst wird? Wo kann ich diese Liste einsehen? Und vor allem: Wer steht da noch drauf? Auf die Schnelle fällt mir nur Alice Schwarzer ein, aber ich fürchte, Alice Schwarzer kann es in Sachen gehasst werden ganz sicher nicht mit Yoko Ono aufnehmen. Und wenn man sich auf den vorderen Plätzen dieser Liste tummelt, ist es da entscheiden, dass man von ganz vielen Leuten weltweit ein bisschen gehasst wird oder hat man auch eine Chance, wenn einen wenige Leute ganz extrem hassen? Quantität vs. Qualität – das alte Problem!

Folgende Gründe führen die Yoko Ono-Hasser für ihren Hass ins Feld:

1. Sie hat die Beatles auseinandergebracht.
2. Das ist doch keine Musik, was Yoko Ono macht, das ist doch nur Gekreische.

Die Gründe, warum ich Yoko Ono mag, sind folgende:

1. Plastic Ono Band ist ein super Band-Name.
2. Sogar die Lieder, in denen Yoko Ono ausnahmsweise mal nicht herumkreischt, sind spitzenmäßig – beispielsweise "Yes, I’m a Witch":


An Yoko Onos achtzigstem Geburtstag hat Peaches diese Nummer für/mit Yoko Ono aufgeführt. Wer das sehen möchte, kann gern HIER klicken (### ACHTUNG ### TRIGGER-WARNUNG ### enthält Kreisch-Parts ###).

Jetzt mal was ganz anderes: Findet Ihr es gut oder schlecht, dass ich seit kurzem hier so Sachen direkt einbinde und -bette? Videos, Musik und so weiter. Falls Ihr es schlecht findet, könnt Ihr mir gern ein paar Hasskommentare unten hinterlassen. Oder Ihr macht einen shitstorm auf Twitter, das wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Falls Ihr es gut findet, müsstet Ihr dann natürlich dementsprechend einen lovestorm machen.

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7. Juli 2013

Das beste Bild der Ausstellung

Vor einiger Zeit habe ich doch tatsächlich behauptet, die Tatsache, dass der Berliner Bezirk Gropiusstadt nach einer Person benannt ist, sei in Berlin eine Seltenheit, wenn nicht sogar eine Einzigartigkeit. Fettes dislike meinerseits an mich selbst. Mittlerweile bin ich schlauer: Vielleicht nicht gerade jeder, aber fast jeder Berliner Bezirk ist nach einer Person benannt! Ein aufmerksamer Leser und gebürtiger Gropiusstädter hat mich in den Kommentaren darauf hingewiesen.

Ich möchte also meine falsche Behauptung in folgende Richtung korrigieren: Die Tatsache, dass der Berliner Bezirk Gropiusstadt nach einer Person benannt ist, nach deren Großonkel ein prachtvolles Gebäude in einem anderen Bezirk benannt ist, ist in Berlin eine Seltenheit, wenn nicht sogar eine Einzigartigkeit.

Wo wir gerade beim Martin-Gropius-Bau sind: Dort läuft derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Kosmos Farbe. Itten – Klee“. Beim Betrachten der Bilder von Klee, die ich alle kannte und nun endlich im Original gesehen habe, fiel es mir wieder ein: Ich war bereits als Kind Paul-Klee-Fan. Ja, es ist hart, ich weiß, aber ich habe mich schon als Kind mit Kunst beschäftigt und zwar, indem ich gelegentlich durch das eine oder andere Kunstbuch und besonders gern durch Paul-Klee-Bücher blätterte. Dieses Fantum wurde nun reaktiviert.


Das beste Bild der Ausstellung ist „Leidende Frucht“, auf dem ein Birne abgebildet ist, die, wie mir scheint, Fieber hat. Ein zugleich witziges, trauriges und schönes Bild – ein Kombo, die man auch erst mal hinbekommen muss.

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25. Februar 2012

Afton Cooper

Eine meiner liebsten Fernsehserien ist Dallas (aufmerksame Leserinnen und Leser wissen das). Dallas schaue ich unheimlich gern! Warum? Keine Ahnung. Gefällt mir halt.


Man sagt ja, Dallas sei die Mutter aller Serien. Dem stimme ich gern zu, möchte aber hinzufügen, wenn Dallas die Mutter aller Serien ist, dann ist das Nibelungenlied die Großmutter aller Serien. Oder die Cousine aller Serien! Oder vielleicht doch die Tante?


Nicht dass ich großartig Ahnung vom Nibelungenlied hätte und die Feststellung, dass es erzähltechnisch erstaunliche Übereinstimmungen zwischen Nibelungenlied und Dallas gibt, ist insofern trivial, als dass man bei so umfangreichem Stoff schon mal den Faden verlieren kann und zu seltsamen erzähltechnischen Tricks und Kniffen greifen muss, um die Story zu Ende bringen zu können. Das ist heute nicht anders als im Mittelalter.


Es ist also klar, dass Erzählstränge, die ins Leere führen, und andere logische Ungereimtheiten sowohl bei Dallas wie auch beim Nibelungenlied auftauchen. Dennoch! Ich finde das total interessant.


Wenn ich nicht völlig daneben liege, streitet sich die Wissenschaft darüber, ob das Nibelungenlied auf einer mündlichen Überlieferung beruht - als Beleg für diese These dienen die immer wiederkehrenden Formeln im Stile von „Was bisher geschah“, die im Nibelungenlied auftauchen und in einem schriftlichen Text ja eigentlich unnötig sind – oder ob es sich bei diesen Formeln nicht um eine bewusst eingesetzte fingierte Mündlichkeit handelt, quasi als Stilelement und Kompositionsprinzip, wahrscheinlich um dem Ganzen so einen Vintage-Stil zu verpassen.


Ich glaube, es war folgendermaßen: Natürlich beruht das Nibelungenlied auf einer ausschließlich mündlichen Erzähltradition! Irgendwann kam dann jemand auf die Idee, die ganze Geschichte mal aufzuschreiben. Beim Schreiben merkte der Verfasser, dass er erzähltechnisch in eine Sackgasse geraten war, was, wie gesagt, bei einer solchen Stoffmenge nicht nur beim mündlichen Vortrag, sondern auch beim Schreiben passieren kann. Was macht der Verfasser in dieser Situation? Das einzig Richtige: Er tut so, als ob dies Absicht war und streut ab jetzt immer wieder Stilelemente ein, die die oral history des Nibelungenlieds durchscheinen lassen. Genial! Ich hätte auch keinen Bock gehabt, noch mal ganz von vorn anzufangen. Schreiben war sehr mühsam im Mittelalter und dann das ständige Federkielgekratze! Zudem stelle ich mir das Papier extrem saugfähig vor, ständig sind die Buchstaben ineinandergelaufen. Nein, Spaß geht anders!


Mein Lieblingscharakter bei Dallas ist übrigens Afton Cooper. Ich bin geradezu besessen von Afton Coopers Rolle und habe mich beim Wieder-Anschauen gefragt, warum ich nicht schon früher auf sie aufmerksam wurde.


Der Grund ist: In der deutschen Fassung von Dallas wurde jede Folge um mehrere Minuten gekürzt, damit die Serie ins bestehende Sendeschema passt. Herausgeschnitten wurden fast immer die Afton-Cooper-Szenen, was man bemerkt, wenn man das amerikanische Original anschaut. Fatal! Nicht nur, dass ihr Wandel vom bad girl zum good girl sehr bestechend und überzeugend dargestellt ist, nein, gegen Ende wird Afton Cooper sogar zu einer Art Seherin, die als Einzige erkennt, dass alle zusammen auf eine Katastrophe zusteuern, aber niemand hört ihr zu! Das nennt man eine epische Vorausdeutung, eine Erzähltechnik, die man bereits im Nibelungenlied findet. Und was macht das Öffentlich-Rechtliche? Schneidet das raus! Verrückt.


Wen ich auch noch einmal genauer unter die Lupe nehmen möchte, ist Lucy Ewing, Miss Young Dallas. Früher nicht nur von mir, sondern von allen gehasst. Eine Neu-Betrachtung tut not. Demnächst also Lucy. Da mache ich aber dann was über ihre Klamotten. Es bleibt spannend.

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20. Januar 2011

Polka Dots, Confetti, Coffee Beans, Screw Tops, and Split Peas

Hey Leute, hier bin ich wieder!

Zum wieder Reinkommen, zum Aufwärmen und zum Warmwerden mache ich jetzt zunächst einmal eine ganz einfache zweistufige Übung, nämlich schöne Wörter aus einem Buch abschreiben und diese dann ungefähr in alphabetische Reihenfolge bringen:

Animals, belts, blocks and cubes,
circles and dots, commas, confetti, crescents.
Choclates, purples, and shaker grays.
Diamonds and harlequins, chains, knots, ropes,
birds, bows, and ribbons,
bubbles and spheres,
buildings, butterflies, cartoons.
Cats, circus, clowns,
coffee beans, screw tops, and split peas.
Coral and seaweed, dogs, fakes, feathers, fruit.
Games and toys, grotesques,
hardware and tools, hearts, horses, insects,
jewels, letters, numbers.
Marine life, modernism, musical instruments,
medallions, mosaics, ovals and seed.
Nuts and pinecones.
Objects, people, photoprints,
playing-cards motifs, reptiles, ruffles, shells.
Silhouettes, sports, trees,
trophies, supergraphics, vegetables.

Abgeschrieben habe ich diese Wörter aus dem Buch "Textile Designs. 200 Years of Patterns for Printed Fabrics arranged by Motif, Colour, Period and Design" von Susann Meller und Joost Elffers. Dieses Buch enthält nicht nur die oben aufgeführten schönen Wörter, sondern auch wunderbare Stoffmusterphotos (ich könnt heulen, so zauberhaft sind die, am liebsten möchte ich sie sofort alle ausschneiden, aber das geht ja nicht) und darüber hinaus auch noch so einige unumstößliche, unwiderrufliche Weis- und Wahrheiten zum Thema Punkte bzw. Polka Dots, wie Punkte im Fachjargon der Punktliebhaber ja eigentlich heißen. Hier die zwei obersten Gebote des Punktismus bzw. Polkadotism:

1. The Polka Dot has always been and always will be. (Seite 212)
2. When Polka Dots go berserk they become confetti. (Seite 160)

Polka Dots im Normalzustand:





Und hier die Polka Dots, nachdem sie aufgrund von verrücktspielen zu Confetti geworden sind:



Es gibt noch ein (wie ich finde sehr praktisches) drittes Punkte-Gebot, welches folgendermaßen lautet:

3. A bisected (...) dot is called a split-pea or screw-top motif. (...). If you make the bisected circle an oval , the motif becomes a coffee bean. (Seite 158)

Also, wenn das nicht unglaublich praktisch und schlau ist, dann weiß ich auch nicht. Man teilt einen Punkt in zwei Teile und erhält dadurch Erbsen, Schraubenköpfe und Kaffeebohnen. Einfach genial:



Bitte einmal auf die Bilder klicken, um sie zu vergrößern, und dann nochmal klicken, um sie nochmal zu vergrößern. Ciao ciao!

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20. März 2010

Knöpfe

Knöpfe! Wer liebt und verehrt sie nicht?



Ich sagte, hey, Knöpfe, wer liebt und verehrt sie nicht?



Wer möchte nicht stundenlang in ihnen herumwühlen?


Wer möchte sie nicht Tag für Tag neu/anders sortieren?



Wer möchte nicht ALLE davon haben?


Knöpfe - Knoflíky - Knopen - Knapper - Knoppar - Cnaipí - Nappeja - Buttons - Bottoni - Boutons - Botones - Botões - Botóns - Sagos - Guziki - Gombok - Düğmeler - Dugmad.

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4. März 2010

Better Version of Me

Heute habe ich zum ersten Mal im Leben

eine Nähanleitung nicht in blinder, ohnmächtiger Wut zerknüllt, zerrissen und in die Ecke gefeuert, nur weil ich sie nicht gleich beim ersten Lesen begriffen habe

nicht im Tobsuchtsanfall mit der Schere auf mein Nähwerk eingestochen, nur weil ich zwei Stoffstücke verkehrt herum zusammengenäht habe

eine an und für sich okaye Naht wieder aufgetrennt, weil sie angeblich ein bisschen "schief" war

einen Reißverschluss eingenäht

Yeah, yeah und nochmals yeah. Da kommt Freude auf. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein riesiger Schritt für mich. Ich werde immer mehr zu der Person, die ich sein will: Eine Person, die krumme Nähte wieder auftrennt. Und zwar mit einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen. Bald wird es so weit sein und ich bringe eine neue, bessere Version meiner selbst auf den Markt.

Trotzdem halte ich Nähwissen nach wie vor für übelstes Herrschaftswissen. Deswegen mochte ich die mit Klebeband zusammengeklebte TAPE-Kollektion von Grit Seymour so gern, die sie gemacht hat, damals, nachdem sie bei Boss Woman geschasst worden war.

Soundtrack dazu: Fiona Apple, Better Version of Me

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7. Februar 2010

Ganz kleines Brevier des Sammelns

Leute, die Dinge sammeln, gelten gemeinhin als kleingeistig und piefig. Weil sie ihr Leben nicht bewältigen, schaffen sie sich mit ihren jeweiligen Sammelgebieten kleine überschaubare Ersatzwelten, in denen sie sich eifrig unter Beweis stellen können. Außerdem sind Sammler zwanghaft und sozial isoliert.


Ich bin auch eine Sammlerin, aber eine sehr sympathische. Denn mein Sammelverhalten zeichnet sich durch eine unglaubliche Ehrgeizlosigkeit aus. Ich sammle nicht "auf Vollständigkeit", ich jage keinen Einzelstücken und Raritäten hinterher und niemals würde ich auf einer Tauschbörse Kontakt mit anderen Sammlern knüpfen, denn das wäre grundfalsch.


Man läuft durch die Gegend und findet per Zufall die richtigen und passenden Stücke. Manchmal hat man schon, ohne es zu wissen, eine kleine Sammlung zu Hause, die man aber erst durch ein weiteres, zufällig gefundenes passendes Mosaiksteinchen als solche erkennt, ein Mosaiksteinchen quasi, das die Sammlung erst zur Sammlung macht. Es ist außerdem unerheblich, wie viele Teile eine Sammlung umfasst oder ob sie vollständig ist. Eine Sammlung muss rund sein, sie muss eine Komposition ergeben, das kann man nicht lernen, das hat man im Gefühl. Ist so! Meine Wursteinpackpapiersammlung beispielsweise besteht aus nur drei Exponaten, ist aber absolut kompletto. Wohingegen meine 131 Blätter umfassende Orangenpapierchenkollektion (einige davon kann man hier anschauen) noch erweiterungsfähig ist.


Was es mit meiner Stoffrestesammlung und meiner Spüllappenkollektion auf sich hat, darüber bin ich mir noch nicht ganz schlüssig. Denn manchmal benutze ich die Lappen, um meine Möbel mit Polyboy zu polieren, oder ich nähe aus den Stoffresten etwas. Ein krasses Sammler-No-Go! Seit neuestem sammle ich übrigens Ravensburger Puzzles aus der World Wide-Serie der Sechziger und Siebziger. New York, Brüssel und Amsterdam habe ich schon. Mal sehen, wie es damit weitergeht.


Wäre ich ein echter Sammler, würde ich nun darauf hinweisen, dass die New-York-Aufnahme von 1970 stammt, also bevor das World Trade Center gebaut wurde, und die Ansicht demnach wieder der heutigen entspricht, wobei ich mir allerdings nicht sicher bin, ob man aus diesem Blickwinkel das WTC überhaupt sehen würde. Deswegen weise ich lieber darauf hin, dass ich in 27 verschiedenen Sprachen Orangenpapierchen sagen kann.

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19. Januar 2010

Schlafanzug

[Edit: Offensichtlich bin ich nicht die einzige, wie man in diesem schönen Artikel nachlesen kann.]

Einmal, ich muss vierzehn gewesen sein, gelangte ein Schlafanzug meiner Tante via meine Schwester in meinen Besitz. Ich fand diesen Schlafanzug dermaßen schön, das Muster, den Schnitt, die verblichenen Farben, alles, dass ich ihn am liebsten die ganze Zeit getragen hätte. Auch tagsüber.


Schließlich war es so weit: Mit Freundinnen fuhr ich mit dem Zug in die Landeshauptstadt und trug den Schlafanzug. Das ist eine Großstadt, dachte ich mir, dort muss es Menschen geben, die sofort sehen, wie schön dieser Schlafanzug ist, und die verstehen, dass man ihn durchaus auch als leichten Tagesanzug interpretieren kann. Mit dieser Einschätzung lag ich geringfügig daneben. Man hat mich beschimpft. Beziehungsweise. Man hat meine Eltern beschimpft, wie kann man nur sein Kind in diesem Schießbudenfigur-Style aus dem Haus gehen lassen! Ach, die Leute haben keine Ahnung! Meine Eltern aber schon! Die haben mir nämlich jetzt zum Geburtstag einen Schlafanzug geschenkt. Aus feinem Sweatshirt-Stoff. Mit Bündchen. Und die Hose ist bedruckt. We love books steht da drauf und Can you read this? Ich verrate jetzt mal ein Geheimnis: Bündchen werden diesen Sommer DAS Modethema sein, und mit Schrift bedruckt ist ja schon länger en vogue. Ich habe schon ein Outfit im Kopf, bei dem die neue Schlafanzughose ein integraler Bestandteil sein wird.

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10. Januar 2010

Meine Definition von goldig

Während sich die anderen noch an der Wiederkunft der 90er abarbeiten, lasse ich die Nullerjahre auferstehen, indem ich meinen Ipod mini von 2005 reaktiviere. Läuft einwandfrei und bekommt deshalb von mir ein Steppmäntelchen genäht.


Mit Guckloch! Und mit teilweise versäuberten und teilweise dekonstruierten Nähten.


Hergestellt nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft sowie gefüttert und gesteppt (ist ja empfindlich kalt draußen).


Goldig? Sehr goldig!

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12. Juli 2009

Nebenan

Wem es hier zu sehr menschelt, kann ja mal nach NEBENAN gehen, wo es stattdessen buchstabelt und überhaupt mehr so um Geschäftliches geht.

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28. Juni 2009

Communiqué

Wenn es nichts zu vermelden gibt, kann man zumindest schon einmal vorankündigen, was man in nächster Zukunft zu tun, zu erleben und zu berichten gedenkt. Das erhöht auch ein bisschen den Druck. Apropos Druck. Wie die meisten wissen, gleicht meine Erwerbsbiographie einem lustigen, aus vielen kleinen Fitzelchen gewirkten Flickenteppich. So bin ich unter anderem als CEO einer schlechtlaufenden T-Shirt-bedruck-Fabrik tätig. Schlechtlaufend deswegen, weil ich die T-Shirts (a) selbst trage, (b) verschenke oder (c) als Preis bei den U-Bahnhof-Fliesen-Rätseln auslobe. Damit ist nun Schluss. Seit gestern habe ich in meiner Funktion als besagter Chief Executive Officer die Daumenschrauben extrem angezogen. Nun werden rund um die Uhr Buchstaben ausgeschnitten, Schablonen hin und her geschoben, Pläne geschmiedet, Meetings abgehalten, Textilfarben mit dem Bügeleisen fixiert und vieles mehr.


Bald wird man diese T-Shirts zu einem Spottpreis kaufen können. Wenn man möchte. Auf den T-Shirts werden ernste Weis- und Wahrheiten namhafter internationaler Dichter und Denker stehen, die sie sich nachts in schweren Stunden abgerungen haben. Witzig hat in der T-Shirt-bedruck-Fabrik Hausverbot! So. Nun wisst Ihr Bescheid.

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