25. Oktober 2007

Die ganz feinen Unterschiede

Nach jahrelangen Feldforschungen, Geheimuntersuchungen und verdeckten Ermittlungen in den sozialen Milieus Berlins bin ich heute endlich in der Lage, meine Theorie der ganz feinen Unterschiede vorzustellen. Es ist eine sehr schlichte Theorie, die - das sage ich nicht ganz ohne Stolz - gerade durch ihre Schlichtheit besticht und überzeugt. Reduced to the max. Deswegen finden sich hier auch keine seltsamen Kategorien wie abstiegsorientiertes, wertkonservatives Aufstiegssmilieu oder autoritätshörige, bildungsferne Leistungsträger. Nein! Seien wir doch mal ehrlich: Sooo komplex ist unsere Gesellschaft nun auch wieder nicht gestrickt. Es ist nämlich in Wirklichkeit ganz einfach, das haben meine Untersuchungen ergeben (und Pierre Bourdieu wußte es schon immer): Es gibt genau zwei entscheidene Faktoren, die soziale Milieus bilden. Das ist einmal das kulturelle Kapital (Bildung), und zum anderen das ökonmische Kapital (Geld):


Wie man dem Schaubild entnehmen kann, gibt es drei Stufen des kulturellen Kapitals und drei Stufen des ökonomischen Kapitals. An diesen Stufen gibts übrigens nichts dran zu deuteln, sehr viel Geld bedeutet sehr viel Geld, und kein Geld bedeutet kein Geld. Ganz einfach. Überhaupt: Sehr viele Menschen glauben, Geld bedeute irgendetwas anderes. Das ist aber falsch. Geld bedeutet Geld. Wer kennt nicht das berühmte Sprichwort Geld ist Geld und Schnaps ist Schnaps? Eben. Aber zurück zum Schaubild. Die unterschiedlichen kulturellen Kapitale können sich nun mit den ökonomischen Kapitalen verbinden wie sie wollen, außer - und jetzt kommt das erste bahnbrechende Ergebnis meiner Untersuchung - sehr viel Bildung und sehr viel Geld gehen selten Hand in Hand. Ich möchte sogar die These aufstellen, dass sie sich gegenseitig ausschließen. Tut mir leid, ist aber so. Ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Ferner gibt es bestimmte Insignien, die einerseits Aussagen über das ökonomische Kapital ermöglichen und zugleich erschreckende Rückschlüsse auf das kulturelle Kapital zulassen: Das sind die SUVs (Sport Utility Vehicles) und die Grunewaldvillen:


Also, ganz einfach, wer sehr viel Geld und keine Bildung hat, hat eine Grunewaldvilla und ein SUV. Wer kein SUV hat, hat auf jeden Fall sehr viel Bildung usw.usf. Hier noch ein Schaubild, mit dem man auf spielerische Art und Weise seine Mitmenschen hinsichtlich ihres sozialen Milieus einordnen kann:


Ich nehme mal mich als Beispiel. SUV? Besitze ich nicht, also Nein. Grunewaldvilla? Nein, habe ich nicht. Ergebnis: Sehr viel Bildung, kein Geld. Irre! Das stimmt genau! Übrigens: Wer den Test macht und mit dem Ergebnis nicht so ganz zufrieden ist, dem sei gesagt, dass es noch einen dritten Faktor gibt, den ich aber wegeskamotiert habe, um meiner Studie mehr Brisanz zu verleihen: Es handelt sich um das soziale Kapital. Das soziale Kapital ist so eine Art Herzensbildung; wenn man davon ganz viel hat, kann man natürlich einiges wettmachen. Auch wenn man einen SUV und eine Grunewaldvilla besitzt, und dadurch im keine Bildung, sehr viel Geld-Milieu gelandet ist.

******

Labels:

3 Kommentare:

Anonymous Rowa

Nur der Vollständigkeit halber: Man kann das Studium auch besser als 1,5 mit einem Staatsexamen abgeschlossen haben, aber nicht Mediziner oder Jurist sein. Aber das ändert auch nichts an den Tatsachen, denen ich nichts weiter hinzufügen mag.

25. Oktober 2007 um 21:18  
Blogger ROSINE

Jaaa, Rowa, ich habe verstanden! Bei der Rubrik "sehr viel Bildung" muss natürlich noch das Staatsexamen dazu, ist doch klar, habe ich vergessen, kann ja mal passieren.

25. Oktober 2007 um 22:50  
Anonymous Pippolina

Vielleicht könnte man den Unterschied zwischen Geld und sehr viel Geld noch genauer definieren. Mein Vorschlag wäre:
Sehr viel Geld = Kann von den Zinsen leben.
Viel Geld = Muss arbeiten, um den gewünschten Lebensstandard zu halten.
kein Geld = muss stehlen(auch im Traum, z.B. Moschinohandschuhe, möglicherweise SUV der Mode???)
Nun läßt sich auch der Traum von letzter Woche deuten: Begehren Sie ein SUV, Frau Rosine? bzw. sogar zwei? (nach Freud). Oder hat Ihr Unbewußtes ihre tolle Theorie vorbereitet und im Traum verschlüsselt aufgezeigt? (Hirnforschung)

26. Oktober 2007 um 13:19  

Kommentar veröffentlichen

<< Zurück