20. November 2019

The Cool Difference

Kennt ihr die finnische Sportswear-Marke Luhta? Nein? Ich auch nicht. Dabei dachte ich, alles über die Achtziger zu wissen – ich wollte schon die fünf Ausgaben der französischen Marie Claire von 1987, die ich besitze, ins Altpapier werfen. Zum Glück habe ich die Hefte vorher noch einmal durchgeblättert und bin in der Numero 424 vom Decembre 1987 über diese Anzeige der oben genannten Marke gestolpert:


Marie Claire Achtziger Luhta Balenciaga

Wie seltsam diese Werbung aussieht! Überhaupt nicht nach 1987. Eher nach 1990. Ich möchte fast sagen, sie sieht nach Balenciaga Fall/Winter 2020 aus! Oder 2021. An wen richtete sie sich zwischen all den Loulou-c'est-moi-Anzeigen, zwischen Isabelle-Adjani-Lingerie und Nastassja-Kinski-Parfum-Werbung?

Ich glaube, es war so: Die Marie Claire war damals das französische, etwas gehobenere, exklusivere Pendant zur Brigitte und 1987 war das Jahr, in dem Snowboarden aufkam. Es handelt sich um Snowboard-Kleidung und die Kinder der Marie-Claire-Leserin haben sich diese Marke zu Weihnachten gewünscht. Für die Ski-Ferien in La Plagne oder Val d'Isère.

Die Marie Claires werfe ich nun doch nicht weg.

******

Labels:

3. November 2019

Hope in a Jewelry Jar

„Hope in a jar“ – so heißt eine Gesichtscreme, die vor vielen Jahren (es dürfte 2010 gewesen sein) von Beauty-Youtuber*innen hoch und runter beworben wurde und die meine erste bewusste Begegnung mit Influencer-Marketing markiert. Nur hatte das Phänomen damals noch keinen Namen.

Seitdem ist viel Wasser die Social-Media-Kanäle hinuntergeflossen, die Leute beklagen sich, dass alles gleich aussieht auf Instagram, alles nur noch Werbung und Kommerz ist auf Youtube, Studien weisen darauf hin, wie schlecht Social-Media-Konsum für unsere mentale Gesundheit ist wegen der dort propagierten unerreichbaren Standards und der inszenierten Perfektion und überhaupt, Google und Facebook wollen uns mit miesen psychologischen Tricks und geheimen Algorithmen süchtig machen, damit wir auf Instagram stundenlang weiterscrollen und auf Youtube ein Video nach dem anderen kucken, um noch mehr Daten von uns sammeln und uns noch mehr Werbung unterjubeln zu können. Ja, natürlich, möchte ich in solchen Momenten rufen. Was ich außerdem rufen möchte: Kommt es nicht darauf an, wie man die jeweilige Social-Media-Plattform nutzt? Wem man folgt? Welche Videos man sich anschaut? Wer auf Instagram Kim Kardashian und Caro Daur folgt, hat Kim Kardashian und Caro Daur im Feed, wer mir folgt, hat … you do the math!

Jewelry Jar unjarring

Statt „Hope in a jar“-Marketing heißt es für mich beispielsweise „Jewelry in a jar“-Watching: Bei den Jewelry-Jar-Opening-Videos („Unjarrings“) handelt es sich um eine Youtube-Nische, in der mittelalte Frauen in ihren Videos sogenannte Jewelry Jars öffnen – das sind vorgepackte Einmachgläser mit gebrauchtem Modeschmuck, die man in amerikanischen Second-Hand-Laden wie Goodwill, Savers oder bei der Salvation Army versiegelt zu einem Fixpreis kaufen kann. Der Thrill an der Sache: Man weiß nicht genau, was drin ist; neben dem ganzen Modeschmuck könnte ja doch etwas Tolles in dem Gefäß sein, ein Armband von Tiffany & Co. vielleicht oder etwas aus Sterling Silver.


Die Frauen, die diese Videos machen, scheinen mir nicht besonders an irgendwelchen Beauty-Standards interessiert zu sein, ihre Wohnungen sind – wenn man sie zu sehen bekommt – mal aufgeräumt, mal nicht, sie machen auch nicht ständig Urlaub an exklusiven Orten, nein, sie öffnen Jewelry Jars und filmen das. Von negativen Auswirkungen dieser Videos auf meine mentale Gesundheit kann ich nicht berichten. Außerdem sind diese Videos so einschläfernd, dass ich nach spätestens zehn Minuten eingepennt bin. Da kann Google sich auf den Kopf stellen und versuchen mich zum Weiterkucken zu manipulieren!

******

Labels: , ,

20. Oktober 2019

Die Schubertring-Gräfin

Es ist ja so mit dem Internet: Den ganzen negativen Scheiß, den ganzen Hass nimmt man nur in Kauf, weil das Internet grundsätzlich eine hervorragende Sache ist und viele witzige und informative Dinge drin stehen. Geht diese Gleichung nicht mehr auf – beispielsweise wenn ich ein bestimmte Information NICHT im Internet finde – fühle ich mich persönlich betrogen. Richtig wütend werde ich da.

Nehmen wir die Schubertring-Gräfin. Nichts, Nullkommanichts findet sich im Internet zur Schubertring-Gräfin. Dabei soll sie laut Peter Yorks „The Official Sloane Ranger Handbook“ von 1982 das Wiener Pendant zu den Londoner Sloane Rangers gewesen sein:

Official Sloane Ranger Handbook

Ich flippe aus, wenn ich nicht demnächst erfahre, wie die Wiener Version des Sloane-Ranger-Looks ausgesehen hat, wo die Schubertring-Gräfinnen abends in Wien hingegangen sind, in welchen Kaffeehäusern sie herumsaßen, wo sie eingekauft und was sie sonst so gemacht haben. Und überhaupt: Der Schubertring ist nur ein kleiner Teil des Rings, zwischen Stadtpark und Schwarzenbergplatz – was hat sich dort abgespielt in den frühen Achtzigern? Und woher hatte Peter York diese Insiderinformationen? Internet gab es damals ja noch nicht. Und über das Schubertring-Gräfinnen-Phänomen steht ja eh nichts drin.

Stadtplan Wien Schubertring

******

Labels: , , ,

14. Oktober 2019

Bravos in Stuttgart

Dank John Cranko gehört das Stuttgarter Ballett seit den Sechzigerjahren zu den weltweit führenden Ballettensembles. In den späten Siebzigern war der Ruhm der Stuttgarter Compagnie so groß, dass sie es indirekt in den US-amerikanischen Kinofilm „Fame“ von 1980 schaffte – eine der Tanzelevinnen nennt Stuttgart als Karriereziel:

Fame der Weg zum Ruhm
Filmstill mit Untertiteln aus „Fame“ (1980)

Meine Eltern hatten ein Abo für das Stuttgarter Ballett und so kam es, dass ich bereits als Kind die besten Tänzerinnen und Tänzer der Welt tanzen gesehen habe: Marcia Haydée, Richard Cragun, Egon Madsen, Birgit Keil, Vladimir Klos, Tamas Detrich. Nach jeder Aufführung habe ich Stunden damit zugebracht, die unglaublich aufwendig gestalteten, in meiner Erinnerung DIN A3 großen Programmhefte zu studieren. Diese Hefte enthielten Hintergründe zu dem jeweiligen Ballett und die üblichen Honoratioren-Grußworte; hauptsächlich aber verströmten sie internationales Flair. Neben den Solistinnen und Solisten wurde das ganze Corps de Ballet vorgestellt, Tänzerinnen und Tänzer aus der ganzen Welt, und selbstverständlich schalteten die edelsten Restaurants, die elegantesten Boutiquen und die exclusivsten Nachtclubs von Stuttgart Anzeigen in diesen Begleitbroschüren.

Von oben links im Uhrzeigersinn: Marcia Haydée, Richard Cragun, Vladimir Klos, Birgit Keil, Birgit Keil, Vladimir Klos, Richard Cragun, Marcia Haydée, Egon Madsen (zum Vergrößern klicken)

Nun habe ich mir neulich die Spring/Summer-2020-Show von Louis Vuitton angeschaut und einige Tage gerätselt, warum diese Kollektion mehr als eine Saite in mir zum Schwingen gebracht hat. –– Natürlich! Genauso, genau in diesen Looks sind in meiner Phantasie die Tänzerinnen der Stuttgarter Compagnie off-duty rumgelaufen! D.h. im Ballerinengang über die Königstraße gewatschelt.

Louis Vuitton Spring Summer 2020
Louis Vuitton Spring/Summer 2020 (zum Vergrößern klicken)

******

Labels:

1. Oktober 2019

Über den Dächern von Paris

Vor ein paar Jahren habe ich mir Gedanken gemacht, wie das Haus Chanel die Nachfolge Karl Lagerfelds nach seinem Tod regeln wird. Insgeheim habe ich damals befürchtet, dass Chanel zumachen muss, wenn Karl Lagerfeld einmal tot ist – denn wer soll diese Verantwortung übernehmen, wer kann in diese Fußstapfen treten? 

Virginie Viard kann es!

Virginie Viard Chanel Nachfolgerin von Karl Lagerfeld

Während es für Fendi ohne Karl Lagerfeld sehr schwer werden wird, hat Virginie Viard als Kreativchefin schon nach drei Kollektionen Chanel einen neuen Dreh gegeben. Das Zeug, das sie heute in der Spring/Summer-2020-Show gezeigt hat, ist natürlich immer noch très, très, très Chanel und très, très, très Karl, hat aber weniger diese aufgeregte „Ich kenne Karl persönlich“-Attitude, die man mit dem Kauf eines Chanel-Teils erwerben konnte. Virginie Viards Chanel ist cooler, moderner, ich möchte sagen: funktionaler. Eventuell kann man sogar von einer neuen funct-chanel-ity sprechen!

******

Labels:

23. September 2019

Rätsel, but make it fashion

Der fashion month erreicht seinen Höhepunkt und was wären die Modewochen ohne ein Quiz? Langweilig! Die Lösungsbuchstaben ergeben von oben nach unten gelesen die seit einiger Zeit angesagte Standard-Erklärung/Standard-Entschuldigung für alles (wieder einsetzbar vom 31.10.2019 bis zum 20.11.2019).

Mode Fashion Rätsel
Zum Vergrößern klicken oder doppelklicken

******

Labels:

9. September 2019

Chain Belt Reaction

Der am dritthäufigst gelesene Eintrag auf diesem Blog stammt aus dem Jahre 2010 und hat den Titel „Gürtel vergessen“. Monat für Monat, Jahr für Jahr kommen Leute auf meine Seite, weil sie verzweifelt gürtel vergessen bei Google eintippen und die weltberühmte Suchmaschine meinen „Gürtel vergessen“-Blogeintrag an dritter Stelle anzeigt. Offensichtlich ist das Gürtel-vergess-Phänomen sehr weit verbreitet. Allerdings geht es in meinem mittlerweile heillos veralteten Blogeintrag nur vordergründig um das Thema „Gürtel vergessen“.

In Wirklichkeit markiert der Blogeintrag den Wechsel von den Nullerjahren zu den Zehnerjahren. Nachdem ich nämlich an diesem 25. Oktober 2010 vergessen hatte, einen Gürtel anzuziehen, habe ich auch nie wieder einen getragen. Oder fast nie wieder. Die Zehnerjahre waren das Jahrzehnt, in dem Gürtel von meiner Bildfläche verschwunden sind. Und ich vermute, ich habe mich damit im Gleichklang mit den großen Linien der Modegeschichte bewegt. Oder haben Gürtel – abgesehen von dem Gucci-GG-Logo-Gürtel-Hype vor zwei, drei Jahren – irgendeine Rolle in den Zehnerjahren gespielt?

Nun neigt sich auch diese Dekade dem Ende zu; steht uns also ein erneuter Paradigmenwechsel in Sachen Gürtel bevor? Schon möglich, Lady! Zumindest habe ich gestern völlig gebannt zweimal hintereinander Trinny Woodalls Gürtel-Video auf Youtube angeschaut und möchte jetzt Gürtel tragen. Aber nicht irgendeinen Gürtel, sondern einen dieser Chain Belts, die Chanel dauerhaft und schon immer im Sortiment hat.

Chanel chainbelt chain belt Kettengürtel
Zum Vergrößern klicken

******

Labels: , ,

3. September 2019

Peergroup-Codes

Erinnert ihr Euch an diese Leute, die zu Schul- oder Unizeiten plötzlich an Euren Ausgeh-Orten auftauchten? Von denen man maximal den Vornamen, meist aber nur den Spitznamen kannte? Und nicht genau wusste, auf welche Schule sie gingen, was sie überhaupt machten? Und die genauso plötzlich, wie sie auftauchten, auf einmal wieder weg waren? Die immer einen etwas zu individuellen Kleidungsstil für die jeweilige Peergroup hatten? Die mit den New-Wave-Leuten abhingen und plötzlich mit einem Guatemala-Hemd auftauchten? Die bei einer Party in einem besetzten Haus ein weißes Jackett anhatten? Die peinliche Hüte trugen? Und selbstgenähte Sachen?

An genau diesen Style erinnern mich die Klamotten von Bode New York, und sie zeigen mir außerdem, dass es Jahrzehnte dauert, bis ich checke, was für ein guter Style das war!

Zum Vergrößern klicken bzw. doppelklicken

Die kompletten Bode-Kollektionen könnt ihr Euch hier anschauen:

Und für meine Versuche, den Bode-Vibe einzufangen, kuckt ihr hier:

Zum Vergrößern klicken bzw. doppelklicken

******

Labels:

25. August 2019

Hidden Style Icon

Letzte Woche erreichte uns die Information, dass sich der Regierende Bürgermeister von Berlin und seine Ehefrau trennen. Ich klickte auf einen zu dieser Meldung mitgelieferten Artikel, in dem es um die besonderen Schwierigkeiten ging, denen Politiker*innen-Ehen ausgesetzt sind. Unterfüttert war der Artikel mit Bildern bekannter bereits getrennter Politiker*innen-Paare.

Jutta Scharping hidden style icon
Jutta Scharping, 1985 (zum Vergrößern klicken)

Das Foto von Jutta Scharping gab mir zu denken – es stimmt, nichts im Universum geschieht ohne Grund. Im Fall von Jutta Scharping bedeutet das: Von der düpierten Ehefrau in den Nullerjahren zur hidden style icon der Generation Z. Nicht schlecht!

Jutta Scharping Sandy Honig Barbie Ferreira Tyler Lambert
Jutta Scharping im Kreise einiger ihrer Stil-Epigonen, prominente Vertreter*innen der Generation Z (zum Vergrößern klicken)

******

Labels:

14. August 2019

Knickerbocker Glory

Nachdem die Modewelt in den letzten Jahren zahllose Hosenformen rauf- und runterkonjugiert hat (Moment einmal! Werden Hosenformen rauf- und runterkonjugiert oder durchdekliniert?), nachdem also die Modewelt in den letzten Jahren zahllose Hosenformen wiederbelebt hat – zu
nennen sind hier beispielsweise Culottes, Palazzo-Pants, Leggings, Jogginghosen, Radlerhosen und zuletzt Bermudas – möchte ich festhalten, dass in dieser Sammlung zwei wichtige Hosenformen fehlen: Jodhpurhosen und Knickerbockers!

Vor allem Knickerbockers müssten demnächst ihren Moment haben, denn sie wurden Anfang der Achtziger von Lady Diana populär gemacht und Dianas Stil ist in der Modewelt seit einigen Monaten der Referenzpunkt, siehe Artikel wie Reimagining Princess Diana's Most Iconic Looks und How to Recreate Princess Diana's Best Outfits.

The Knickerbocker In All Its Glory (zum Vergrößern klicken)

Ich jedenfalls hätte Bock auf Knickerbockers! Und zwar originalgetreu zu geschlossenen Pumps mit kleinem oder halbhohem Absatz und schmaler Spitze. Geht einmal in einen Second-Hand-Laden: Solche Pumps sind dort das häufigste Schuhmodell! Keine Ahnung, wo die alle herkommen, aber würden die Knickerbockers zurückkommen, wäre auch für sie gesorgt. Es passt einfach alles zusammen.

******

Labels: ,